Die Ökobilanz der Kunert AG beeindruckte zwar selbst die Uno. Trotzdem mangelt es dem Strumpfproduzenten seit Jahren an ökonomischem Schwung, obwohl Kunert schon lange als ein Pionier im Ökomanagement gilt: Schon 1989 hatten die Allgäuer als erstes deutsches Unternehmen eine Umweltbilanz erstellt. Und im vergangenen Jahr legte es den ersten ökologischen Leistungsbericht Europas vor, der die neue Norm DIN ISO 14031 einhält.

Sinn der Neuerung Ende der achtziger Jahre: Es wurden klare Ziele formuliert.

Erfolge oder Misserfolge können daraus seither direkt abgelesen werden. Der damalige Vorstandsvorsitzende Förster glaubte daran, dass dieser "schlanken Form der Umweltberichterstattung" die Zukunft gehören werde.

Konkrete Erfolge blieben nicht aus. So konnte die Abwasserbelastung durch Schwermetalle um über 50 Prozent gedrückt werden, und der Chemikalienverbrauch sank um ein Drittel. Hilfreich waren Maßnahmen wie der Input-Filter. Hunderte von Rohstoffen hatte man ökologisch bewertet und in gute und schlechte eingeteilt. Eine Grüne Liste dient seitdem beim Einkauf als Maß aller Dinge.

Ehrungen und Preise folgten. Wiederholt landete Kunert in nationalen oder internationalen Studien auf einem grünen Spitzenplatz. Die Uno zählt den Ökobericht der Aktiengesellschaft sogar zu den fünf besten der Welt.

Bundeswirtschaftsminister Werner Müller überreichte kürzlich den renommierten B.A.U.M.-Umweltpreis an den Leiter des Kunert-Umweltcontrollings.

Was jedoch ausbleibt, ist der wirtschaftliche Erfolg. Auch der Kurs der stimmberechtigten Stammaktien dümpelt seit zwei Jahren um die 70-Euro-Marke herum und liegt damit nur noch bei der Hälfte des Startkurses aus dem Jahr 1988. Ökobilanz hin oder her - gegen den Trend der Textilindustrie konnte sich das Allgäuer Unternehmen nicht stemmen. Die Nachfrage auf den Hauptmärkten Deutschland, Frankreich und Österreich sinkt seit vielen Jahren.