Anschnallgurte für Babys sieht unsere Fluggesellschaft leider nicht vor, erklärt mir die NorthWest-Airline-Stewardess im optimistischen Flugbegleitersingsang. Im Falle einer Notlandung öffnen Sie bitte Ihren eigenen Gurt durch Anheben der Metallschnalle. Achten Sie darauf, dass kein Gepäck Ihren Fußraum blockiert. Nehmen Sie Ihr Baby und rennen Sie.

Ich nicke beklommen von meinem Fensterplatz, nehme meine zehn Monate alte Tochter in den Schwitzkasten und frage mich ernsthaft, ob es eigentlich eine weltweite Verschwörung gegen Jungfamilien-Fernreisen gibt. Draußen heulen die Motoren der DC-10 zum Start auf. Es gibt kein Zurück.

Mit einem Baby macht man Ferien am Ammersee. Oder auf Borkum. Keinesfalls jedoch wagt man sich außer Sichtweite des heimatlichen Festlandes.

Dementsprechend die Reaktion auf unsere Ferienpläne in Kalifornien. Mit dem Kind nach Übersee - ja, seid Ihr denn wahnsinnig?, fragen Freunde und Verwandte mit kaum verhaltener Hysterie. Noch viel zu klein für den Stress und die schlechte Luft eines Langstreckenfluges, wissen die einen. Schon viel zu groß, um den Jetlag ohne Langzeitschlafstörungen zu überstehen, fachsimpeln die anderen. Beide Parteien sprechen selbstverständlich nicht aus Erfahrung, denn ihren eigenen Kindern hätten sie eine solche Tortur nie zugemutet.

Doch wenn nicht jetzt, wann dann? Schließlich hat unsere Tochter bisher weder einen unaufhaltsamen Krabbeldrang an den Tag gelegt, noch sind ihre Beine lang genug, um dem netten, grauhaarigen Herrn vor uns 13 Stunden lang rhythmisch in den Rücken zu treten. Caitlin verfügt über die Fähigkeit, immer und überall wie ein Stein zu schlafen, sooft ich nur leise Twinkle, twinkle little star singe. Und über die drittklassige Leinwandunterhaltung während des Fluges beschwert sie sich auch noch nicht. Wenn nicht jetzt, dann wieder in 17 Jahren. Also wird der Flug nach San Francisco gebucht.

Babys reisen bei den meisten Fluggesellschaften für zehn Prozent vom Erwachsenenpreis plus Flughafengebühr. Dafür gibt es allerdings keine kuschelige Babykoje, keinen eigenen Sitz und bei NorthWest nicht mal die klassische Wundertüte mit Flugkapitänsmütze und Werbemalblock.

Egal - für den Job der unermüdlichen, selbstlosen und improvisationsfähigen Alleinunterhalter sind wir schließlich bestens vorbereitet. Nicht umsonst besteht unser Handgepäck aus zwei etwa mittelgroßen Sporttaschen, in denen sich statt Taschenbüchern, Nagelfeile und Briefpapier, Walkman und Schokokeksen ausschließlich Krokodil-Fingerpuppen, ein Regenmacherstab, ein Pop-up-Bilderbuch, eine Stoffkuh im Ballett-Tütü, ein Miniklavier, eine Thermoskanne mit abgekochtem Wasser, Einweglätzchen, eine Baby-Notapotheke, abgepackte Rationen von Vorgekochtem, Snacktütchen mit Bananen, Trockenaprikosen und Toastbrot, ein komplettes Extra-Out fit für den Fall eines Durchfalls und natürlich genügend Windeln für die eventuelle Notlandung auf Grönland befinden.