Wenn ein Reisender in einer Winternacht: So hieß einmal ein Roman von Italo Calvino. Es war ein Titel, dem auf der Stelle zu verfallen sich anbot: Ein Versprechen, dessen Zauber gar keine Erzählung mehr folgen musste. Wenn der Zeichner und Bildhauer Abraham David Christian, ein von Tages- und Jahreszeiten unabhängiger Reisender, in einem weißen Saal des Duisburger Wilhelm-Lehmbruck-Museums vorwiegend weiße Papierskulpturen und fragile Zeichnungen ausstellt, ist der Effekt ähnlich: Wege der Welt, wie sie der 48-jährige Künstler hier als strenge plastische Gebilde und als grafische Spuren seiner fortwährenden Beschäftigung mit dem Fremden reiht, sind abstrakt und nahezu zeit- wie ortlos

sie verwahren sich davor, als Illustration von Erfahrungen zu dienen und übernehmen stattdessen die Rolle des schweigenden Zeugen menschlicher Existenz (bis 30. April, Katalog 48,- DM). Christians Arbeiten aus den vergangenen 20 Jahren sind Beispiele bildnerischer Verdichtung, sie sprechen von der Rückführung auf zivilisatorischer Urformen, die sich überall auf der Welt ähneln mögen: das Haus, der Tempel, das Boot ... Die Zeichnungen liefern darüber hinaus die linearen Kürzel für Stadt und Landschaft. Das ist hoch ästhetisch, in der seriellen Ordnung der Skulpturen beharrlich einprägsam und dazu von handwerklich schönster Präsenz. Giacommettis frühes Werk, Cy Twomblys weiße Plastiken klingen hier mit. Doch nur von Ferne. Wichtiger an diesen lichten, leichthändigen, weder der Wirlichkeit noch dem Surrealen gehörenden Werken ist ihre konzeptuelle Geschlossenheit. Eine Überzeugungskraft, die sich der Freiheit des Künstlers und - nun in Duisburg - auch seinen Inszenierungskünsten verdankt.