Nun will es wieder keiner gewesen sein. Riester weist jede Schuld von sich, auch Eichel leugnet entschieden. Und Dr. Müller (deutscher Wirtschaftsminister, d. Red.) will wieder einmal von gar nichts etwas gewusst haben. Die Opposition hält die Sache sowieso für absolut hirnrissig. Dabei klingt die Idee absolut plausibel: Eine Steuer für alle, die zu viel selber machen. Eine Steuer für Heimwerker und überfleißige Hausfrauen. Damit würde das Arbeitslosenübel endlich einmal am Kern gepackt.

Die Experten verweisen gerne auf die so genannte Rationalisierung, wenn sie einen Grund für den Arbeitsplatzmangel nennen sollen. Teilweise mögen sie damit auch nicht ganz falsch liegen. Aber man muss kein großer Geist sein, um zu sehen, dass es auch noch ganz andere Ursachen gibt. Die Mülltrennung zum Beispiel. Früher waren Bataillone damit beschäftigt, für gutes Geld Yoghurtbecher, Bierflaschen und Fischdosen auseinander zu pulen, damit sich der Abfall besser recyceln lässt. Heute trennt jeder seinen Müll daheim. Wie viele Arbeitsplätze das kostet, kann man nur ahnen. Genauso wie im Bankgewerbe. Auch hier müssen die Kunden jetzt all das selbst machen, was früher teure Angestellten erledigt haben. Das nennt sich Homebanking. Aus bezahlter Berufsarbeit wird unbezahlte Freizeitarbeit. Überall ist das zu beobachten.

Möbel gibt es nur noch in Einzelteilen - der mühsame Zusammenbau erfolgt zu Hause. Längst nicht mehr nur bei Ikea. Was einmal ganz harmlos mit der Selbstbedienung im Supermarkt begann, hat gigantische Ausmaße angenommen.

Sogar in noblen Restaurants wird man nicht mehr bedient, sondern muss sich seinen Salat am Buffet abholen. Verkauft wird die Personaleinsparung dann auch noch als ein besonderer Luxus. Ganz hart betroffen sind vor allem die Handwerker. Niemand braucht sie mehr - die Leute machen einfach alles selbst.

Vom Reparieren über das Frisieren bis hin zum Tätowieren. Die Berliner Zeitung berichtet gar über einen Taxifahrer aus Neukölln, der sich selbst plombiert.

Je mehr man darüber nachdenkt, umso klarer wird einem, dass es sich bei all dem um nichts anderes handelt, als um eine besonders abgefeimte Form von Schwarzarbeit. Schließlich werden der Volkswirtschaft durch das viele Selbermachen nicht nur Milliardenumsätze vorenthalten. Auch Unsummen an Steuern und Sozialabgaben gehen verloren. So gesehen ist es völlig berechtigt, einmal danach zu fragen, wie man gegen dieses Übel vorgehen kann.

Wer also immer auch auf die Idee mit der Do-it-yourself-Steuer gekommen sein mag, ob Riester, Eichel oder sonstwer: Er braucht sich dessen nicht zu schämen.