Tragödie und Burleske, Schmierenkomödie und Farce stehen derzeit auf dem Spielplan der Berliner Republik. Da wagt auch das Theaterhaus Jena, ein kleines, quicklebendiges Theater mitten im deutschen Osten, ein Experiment: Es lässt sich von der Politik spontan ein Skript diktieren und gestaltet daraus ein Stück. Was bleibt ist große Zuversicht, so der Titel der Szenencollage, die Bild- und Tondokumente verwendet, lauscht der Dramaturgie des Parteispendenskandals Sätze ab, die wir größtenteils bereits aus dem Fernsehen kennen, deren Ungeheuerlichkeit aber ungehört blieb. "Das kann nicht sein", sagt ein Schauspieler in der Rolle des gnadenlosen Aufklärers, "dass wir jetzt alles aufklären, und dann kommt hinterher noch etwas heraus."

Nie klangen Schäubles Worte so hohl, nie wirkte die Flucht vor der Wahrheit so erbärmlich. Regisseur Roland Brus, einer der findigsten Köpfe des deutschen Theaters, hat sich bereits mit dem Gefangenentheaterprojekt AufBruch in der Berliner Haftanstalt Tegel und mit dem Obdachlosentheater Die Ratten einen Namen gemacht. "Mir geht es um eine Inszenierung der Inszenierung, ein Parallelverfahren, das das Gesamtkunstwerk Politik in das Gesamtkunstwerk Kunst übersetzt", sagt er. Und das Experiment gelingt - trotz einiger Längen. Die junge Truppe, die erst seit Januar beisammen ist, lässt das süße Gift der Korruption über Bühne und Zuschauerraum fließen. Aufklärung bis zur Atemnot. Dem Zuschauer könnte es übel werden angesichts der Banalität von Aufführungen, wie sie täglich in den Medien zu erleben sind. Das Rollenfach Politiker wird in Jena gründlich entzaubert.