Erhellende Einblicke in deutsche Alltagskultur zwischen 1935 und 1955: Die Designer von damals, so scheint es, rüsteten die Gesellschaft mit praktischen Gegenständen aus. Das Funktionale, die gerade Linie hatten das Sagen, das verraten schnörkelloses Porzellan von Wilhelm Wagenfeld und sachliche Keramiken von Hedwig Bollhagen. Nicht alles war dem Blut und Boden-Geschmacksdiktat unterworfen. In ihren Nischen arbeiteten einige der Gestalter weiter, häufig im Sinn des Naziregimes, dem das Gütezeichen Made in Germany gelegen kam. Nach dem Krieg, und hier liegt der Schwerpunkt der sehenswerten Schau in Münster, kaufte, wer Geschmack demonstrieren wollte, die von Hans Gugelot in lichter Eleganz gestylten Radiogeräte, den obligaten Nierentisch samt Cocktailsesselchen und Tulpenlampe. Kaum hatte der VW-Käfer das Laufen gelernt, rollte die erste Reisewelle. Bevor sich Wunderwirtschaftsland an die Adria wagte, hatten griffige Plakate ausschliesslich deutsche Ziele propagiert.

Bis 4. Juni. Münster, Westfälisches Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte, Domplatz 10, Di-So 10-18 Uhr, Eintritt 5 Mark