Seitdem die Grünen mitregieren, zeigt sich immer mehr: Sie sind nicht besser als die Altparteien. Das heißt: Das Kleben an der Macht ist ihnen am wichtigsten. Deren korrumpierende Wirkung bemänteln sie mit vermeintlichen "Sachzwängen" und der angeblichen Unvermeidbarkeit von Kompromissen. Dienen Kompromisse aber dem Mitregieren um jeden Preis, auch um den des Selbstverrats, zeugen sie von Unmoral und Charakterlosigkeit. Wenn Joschka Fischer jetzt die einstigen nonkonformen Ideen, Visionen, Utopien hämisch-besserwisserisch als "kontraproduktive Gründungsmythen" abtut, finde ich ihn nur noch verachtenswert.

Hans Wittek, Leutkirch

Die Grünen, so tadeln die Interviewer, seien "als widerborstig-kreatives Potenzial nicht mehr zu erkennen", sie hätten sich "auf den Opportunismus der Machtbeteiligung eingelassen" und ihre "politischen Vorstellungen (schienen) ... auf das Machbare zusammengeschnurrt".

Das Kuriose, um nicht zu sagen, Perfide ist, dass dieselben ZEIT-Weisen den Grünen genau dieses Verhalten in Dutzenden von Diatriben immer wieder eingehämmert haben: Seid pragmatisch! Wedelt als Schwanz nicht mit dem Hund!

Was nützt das grünste Programm, solange man in der Opposition dahinvegetiert?

Nun, da die Grünen dieses Verhalten praktizieren, werden sie dafür getadelt und verhöhnt.

Jürgen Törber, Essen