Auf dem Weg in die Leben-Redaktion komme ich an einem Kino vorbei. Seit etwa zehn Tagen hängt dort ein Plakat, das einen neuen Film ankündigt. Es ist von einer Mauer ein wenig verdeckt, aber das meiste ist zu sehen. Es zeigt eine große, weiße Blume und ein paar Frösche, die durch die Luft fliegen, der Hintergrund ist hellblau. Aus der Ferne sind zwei Wörter zu erkennen: Golden Globe und Magnolia. Das ist der Titel des Films. Er läuft heute an, und ich werde ihn mir gleich ansehen. Einmal habe ich ihn nämlich schon verpasst. Das war während der Berlinale, Mitte Februar.

Da entdeckte ich Magnolia in einem Programmheft. Vier Zeilen, aus denen hervorging, dass Tom Cruise einen Sextherapeuten verkörpert, der Film 137 Minuten lang ist und im Fernsehmilieu spielt. Tom Cruise als Sexguru, das klingt nach einem Missverständnis. Rätselhaft auch, was Magnolien mit Fernsehen zu tun haben, aber dennoch geheimnisvoll und wohl klingend. Zwei Tage vor der Berlinalepremiere stellte ich mich um Karten an, aber nichts zu machen. In zwei Stunden ausverkauft, schneller als The Beach und Der talentierte Mr. Ripley. Blöd, aber ein Hinweis, dass ich eine kleine Entdeckung gemacht hatte. Weshalb so viele andere anstanden, erfuhr ich noch in der Warteschlange. Magnolia ist von demselben Regisseur, der auch Boogie Nights gedreht hat! Spätestens da wusste ich: Diesen Film will ich nicht nur bei Gelegenheit sehen, den muss ich sehen, sofort!

Boogie Nights, wow!, lief vor etwa eineinhalb Jahren. Mark Wahlberg spielt da einen Pornostar und Heather Graham eine Blondine in Hotpants namens Rollergirl. Ein klasse Film mit einigen recht wüsten Bildern. Das beste aber waren die Szenen am Pool, es gab einige davon. Starlets mit Riesensonnenbrillen, coole Jungs in bunten Hemden und Föhnfrisuren, Drinks und Drogen gratis, ständig Sonne und Seventies-Funk, alle relaxed, immer Party. Bilder, an die ich gerne glaubte, weil man damals selbst noch brav zur Schule ging. Der Regisseur, der diese lässigen Poolbilder gedreht hatte, hat also den neuen Film gemacht, für den es keine Karten gibt und der eine ähnliche Dramaturgie wie Short Cuts hat: mehrere Erzählstränge, die irgendwann zusammenfinden. Das wiederum stand in einer Vorankündigung.

Schließlich gewann Magnolia den Goldenen Bären für den besten Film.

Aber dann geschah - nichts. The Beach und Mr. Ripley, für die während der Berlinale auch keine Karten zu bekommen waren, liefen ein paar Tage später im Kino. Meine Entdeckung Magnolia, hieß es, läuft erst im Frühjahr. Schade eigentlich, dachte ich, aber: Je länger ich wartete, umso besser wurde der Film in meinem Kopf.