Frühling ist sozusagen fast da! Und die Italiener kommen. Zu Tausenden packen sie jetzt wieder ihre Koffer und Taschen, die italienischen Touristen, um zu uns, um in unser schönes Deutschland, über die Alpen zu reisen ...

Aber nein, nein, sie kommen nicht. Kein italienischer Tourist weit und breit.

Wenn überhaupt, dann schaffen sie es gerade mal bis Monaco di Bavaria, vielleicht noch den Rhein rauf, Köln, Abstecher nach Heidelberg. Allen-, allenfalls. Dabei, was gäbe es hier nicht alles zu sehen: Standort Deutschland! Berliner Republik! Welthauptstadt Germania mit dem legendären Potsdamer Platz - da könnte der Italiener (aus Siena oder so) mal erleben, wie eine Piazza (Pizza?) aussieht!

Einer immerhin wagte es: Deutschland total, und dann auch noch im Winter. Vor dreihundert Jahren. Ein Venezianer, man denke. Wie er hieß, wissen wir nicht.

Irene Schrattenecker, die das Reisetagebüchlein (vom 1. September bis zum 6.

Dezember 1708) in der Bibliothek des Museo Civico Correr in Venedig aufspürte, entzifferte und es jetzt, in geradezu barocker Ausstattung, zweisprachig und überhaupt auf das ausschweifendste, liebevollste und leidenschaftlichste edierte, hat versucht, den Namen des Autors herauszubekommen. Sie tippt auf den Handelsmann und Patrizier Giambattista Rezzonico, beweisen kann sie es aber letztlich nicht. Auch zu welchem Zweck der anonimo veneziano seine Winterreise unternahm, bleibt ungeklärt.

Geschäfte? Eine diplomatische Mission? Nichts Genaueres ist auf den eng beschriebenen Seiten zu erfahren.