Tatsache ist, dass trotz umfangreicher Bemühungen um Reformen der Studieninhalte die Immatrikulationen in ingenieurwissenschaftlichen Studienrichtungen und in der Informatik, vor allem der technischen Informatik, vor etwa fünf Jahren rapide zurückgegangen sind und seitdem nur ganz langsam wieder steigen. Der Einbruch fällt ziemlich genau damit zusammen, dass die Wirtschaft plötzlich an Ingenieuren nicht mehr interessiert war und ganze Entwicklungsabteilungen "freisetzte". Im Interview mit Dagmar Schipanski in derselben Ausgabe der ZEIT wird genau darauf hingewiesen. Wenn nun die Hochschulen an dieser Entwicklung schuld sein sollen, dann klingt das für mich so, als wollte man die Hebammen für sinkende Geburtenzahlen verantwortlich machen.

Dr. Frank Thuselt (Email)

Die Krisen, die ich tagtäglich erlebe, haben herzlich wenig mit den ach so fürchterlich wichtigen Themen der Bildungspolitik zu tun. Ein miserabler Hörsaal hat deutlich negativere Auswirkungen auf die Effektivität der Hochschulausbildung als die Tatsache, ob der Dozent Beamter oder Angestellter ist. Wenn die Hälfte der Studenten einer Einführungsvorlesung für Informatik nicht folgen können, weil sie nicht wissen, was Dualzahlen sind, und die andere Hälfte sich angeödet abwendet, wenn man es erklärt, dann hat auch das viel mit der Krise des Bildungssystems und wenig mit Dienstrecht zu tun.

Dr. Thomas Letschert, Gießen