Philippe hat es geschafft. Seit nunmehr vier Jahren ist er Briefträger.

Dieses Glück ist nicht allen beschieden. Denn im Auswahlverfahren wird gnadenlos gesiebt. So geschah es auch am vergangenen Wochenende, als die französische Post wieder zeitgleich an verschiedenen Orten zwischen Straßburg und Bordeaux zur Wissensbeschau lud.

Nachdem sich im vergangenen Jahr 80 000 Jugendliche auf die 3000 Stellen beworben hatten, spielte La Poste die Zahl der Kandidaten dieses Jahr herunter. Denn zur Tauglichkeitskontrolle waren voriges Mal nicht nur die Prüflinge, sondern auch zahlreiche Journalisten erschienen, deren Anwesenheit die Teilnehmer beim Beantworten der Fragen störte. Zum Test selber kommen in der Regel 20 bis 30 Prozent weniger Kandidaten, als sich angemeldet haben, erklärt Personalleiter Ives Hafter - diesmal kamen zehn Aspiranten auf eine Stelle. Ein bisschen stolz macht ihn der Andrang aber schon.

Geprüft wird Landeskunde, Mathe und Französisch. Um zum Verfahren zugelassen zu werden, muss man das Äquivalent zur mittleren Reife vorlegen. Knapp zehn Prozent der Kandidaten können ein mindestens zweijähriges Studium nachweisen.

Philippe Boyère hat sogar ein paar Semester Philosophie in Deutschland studiert.

Jeder Vierte unter 25 Jahren in Frankreich ist arbeitslos

Doch Frankreichs Jugendliche finden kaum einen Job. Jeder Vierte unter 25 ist arbeitslos. Da verspricht das Berufsbeamtentum einen sicheren Hafen. Stolze 86 Prozent der Franzosen wollen, dass ihr Kind fonctionnaire wird. Gleich, ob Gendarm, Steuereintreiber, Berufssoldat oder eben Briefträger, Hauptsache öffentlicher Dienst.