Kein Wunder, dass diesem Arbeitgeber die Leute weglaufen. Da stellte das Kieler Kultusministerium 1997 Carsten Fette als Lehrer in einer Lübecker Berufsschule ein - und ließ ihn dann mit seinen IT-Auszubildenden allein.

Niemand hatte Fette auf die neue Berufsgruppe der Informationstechniker vorbereitet. Eine Fortbildung jedenfalls hat das Land Schleswig-Holstein nicht für ihn vorgesehen. So bastelt sich der Berufsschullehrer seinen Unterricht selbst zusammen. Und war natürlich begeistert, als ihm vor sechs Monaten eine Broschüre in die Hände fiel, die eine "Bildungsinitiative" ankündigte: Der US-Konzern Cisco will Deutschlands IT-Fachlehrer zum Thema Netzwerke schulen.

Dieses Know-how könnten Fettes IT-Schüler gut gebrauchen. Außerdem kosten 23 Tage nur 7000 Mark, ein Bruchteil dessen, was man üblicherweise für eine solche Schulung ausgeben muss. Fette fragte also im Kultusministerium nach, ob man ihm die Schulung finanziere. Bis heute hat er keine Antwort bekommen und sagt: "Wenn es so weitergeht, suche ich mir einen neuen Arbeitgeber."

Im Ausland preisen deutsche Politiker das Duale System und loben diesen deutschen Mix aus betrieblicher und schulischer Ausbildung gern als Standortvorteil für die Wirtschaft. Im eigenen Land aber droht den Berufsschulen laut Josef Kraus, dem Vorsitzenden des Deutschen Lehrerverbandes, "das mittlere Chaos". In den nächsten zehn Jahren können nämlich 1400 bis 2000 jährlich frei werdende Lehrerstellen an beruflichen Schulen nicht mehr mit neuen qualifizierten Fachkräften besetzt werden. Das geht aus dem unveröffentlichten Protokoll einer Sitzung der Kultusministerkonferenz Mitte Februar hervor.

Der Grund: Bis 2010 geht jeder Dritte der 110 000 Gewerbe- und Handelslehrer in Rente, und die frei werdenden Jobs will kaum noch jemand haben. Seit Jahren schreiben sich an den Universitäten immer weniger Anfänger fürs Lehramt an berufsbildenden Schulen ein. Außerdem absolvieren bereits heute zu wenig Referendare die gut achtjährige Ausbildung. Besonders rar sind diejenigen, die Deutschland bei der Informationstechnik nach vorn bringen könnten: Informatiker und Absolventen technischer Fächer. Stundenausfall ist die Folge. In Schleswig-Holstein blieben zuletzt zehn Stellen vakant, in Niedersachsen offiziell "eine Hand voll", weil es keine Bewerber mit einem Technikstudium gab.

Warum will keiner mehr Berufsschüler unterrichten? Selbst Verbandsvertreter geben zu, dass der Ruf des Berufsschullehrer nicht der Beste ist. Das liegt vor allem an ihrer Klientel. Abiturienten und Hauptschüler, Sonderschüler, die das "ausbildungsvorbereitende Jahr" besuchen

Spätaussiedler, die oft kaum Deutsch können