Der Unternehmer ist regelrecht verzweifelt: "Mein Sohn studiert Betriebswirtschaft an einer Privatuni", erzählt er. Nun müsse er zwei Auslandssemester machen. Aber weil die doch "nur Fun" seien, möchte er, dass sein Sohn stattdessen für ein einjähriges MBA-Studium in die USA geht. Ein paar Business-Schools, deren MBA-Programme zeitlich passen, hat er schon ausgesucht. Doch nun kommt er nicht weiter. "Wie kann ich verhindern, dass mein Sohn nur an einer mittelmäßigen Business-School landet?", fragt er.

Schließlich koste das Studium eine Menge Geld, und dafür solle es schon eine der besten Schulen sein. Der Einwand, dass die Topschulen nur Bewerber nehmen, die bereits ein paar Jahre Berufserfahrung vorzuweisen haben, schreckt den besorgten Vater nicht. "Ich will einfach, dass mein Sohn so richtig powert", erklärt er und fügt hinzu: "Ein MBA-Studium soll ja recht hart sein."

Je populärer der Abschluss zum Master of Business Administration (MBA) in Deutschland wird, desto abstruser werden die Vorstellungen darüber. Da ist der Vater, dessen Sohn gerade das Vordiplom hinter sich gebracht hat und nun so schnell wie möglich an einer amerikanischen Topschule den MBA machen soll.

"Gibt es denn nicht jemanden, der ihn da möglichst schnell unterbringt?", fragt er ernsthaft. Oder der Hochschulabsolvent, der vor allem ein kurzes und preiswertes MBA-Programm sucht. "Damit verdiene ich mehr Geld und kann gleich ins Management einsteigen", erzählt er. Der MBA als Wundermittel für den rasanten Aufstieg?

Statt Vorlesungen gibt es Fallstudien und Projektarbeit

Thomas Sattelberger, Bereichsvorstand bei der Deutschen Lufthansa und Kenner der MBA-Szene, warnt vor einer zu großen Titelgläubigkeit: "Die Bezeichnung des Abschlusses interessiert uns nicht. Wichtig ist ein ordentlicher Hochschulabschluss mit internationalem Charakter." Auch bei DaimlerChrysler Services (debis) in Berlin erhöht der MBA die Einstiegschancen nicht. "Ich schaue mir das Gesamtbild an", sagt Personalmanagerin Katharina Heuer. "Der persönliche Werdegang muss schlüssig sein." So mache ein MBA direkt nach dem Betriebswirtschaftsstudium wenig Sinn.

Denn im Grunde entspricht das MBA-Studium dem deutschen Betriebswirtschaftsstudium, allerdings mit einer anderen Ausrichtung. Es ist eine praxisorientierte und internationale Managementausbildung ohne wissenschaftlichen Tiefgang. Statt Vorlesungen gibt es Fallstudien und Projektarbeit. Professoren und Studenten kommen aus aller Welt.