Wenn Thilo Bode, der Geschäftsführer von Greenpeace International, sich über den Zustand der Umweltpolitik auslässt, kommt er ganz schnell immer auf einen Punkt: Wie auch sonst im Leben gebe es wichtige und weniger wichtige Probleme. Die Politik müsse deshalb Prioritäten setzen und dürfe den staunenden Bürgern keinen "Gesetzgebungssalat" servieren.

Bodes Empfehlung wird wohl demnächst - wieder einmal - sträflich missachtet.

Den Deutschen droht nämlich ein Zwangspfand von 50 Pfennig auf Getränkedosen und -kartons sowie auf Wegwerfflaschen. Der Grund: Zum zweiten Mal hintereinander haben sie mehr Saft, Bier und Tafelwasser in Einweggebinden gekauft, als die Verpackungsverordnung gutheißt. 72 Prozent aller Durstlöscher sollen nach dem Paragrafenwerk in Mehrwegflaschen abgefüllt sein

wird der Wert unterschritten, muss nach geltender Rechtslage das Zwangspfand eingetrieben werden - sofern auch eine akribische Nachprüfung den vermeintlichen Ökofrevel bestätigt. 1997 lag die Mehrwegquote bei 71,33 Prozent, 1998 bei nur 70,13. Derzeit läuft die Nacherhebung für 1997. Es müsse davon ausgegangen werden, kündigte Umweltminister Jürgen Trittin kürzlich an, dass bereits diese Nacherhebung "das Zwangspfand auslösen wird".

Stoppt der grüne Umweltminister den Automatismus nicht, spielt er den Bürgern, der Wirtschaft und der Umwelt einen Schildbürgerstreich. Zwar freuen sich die Automatenhersteller schon auf die Milliardenaufträge, die ihnen die gesetzlich erzwungene Aufstellung von Pfandautomaten bescheren würde. Doch vieles spricht dafür, dass dadurch der Niedergang der Mehrwegflaschen sogar noch beschleunigt würde: Zwei Rücknahmesysteme sind für die Einzelhändler schließlich teurer als nur eines.

Eine (nicht rückzahlbare) Abgabe auf Einweggebinde würde diesen Effekt zwar verhindern. Aber lohnt sich der Aufwand und das erwartbare Geschrei darum?

Keineswegs. Die pauschale Annahme, Einweg- seien Mehrwegverpackungen ökologisch unterlegen, hat sich längst als falsch herausgestellt. Ob sämtliches hierzulande konsumierte Bier beispielsweise in Dosen oder Mehrwegflaschen abgefüllt wird, hat nach Erkenntnissen des Umweltbundesamtes auf die ökologischen Zielgrößen Klimaschutz, Gewässerverschmutzung und so weiter kaum Einfluss. Nicht überraschend also, dass der Sachverständigenrat für Umweltfragen fordert, "auf Instrumente zur Durchsetzung einer Mindestquote für Mehrweggetränkeverpackungen zu verzichten".