Natürlich habe auch ich mal von der großen Karriere im Verlag geträumt", sagt Frank Donner. "Doch das war unrealistisch." Im Sommer 1999 hat der 29-Jährige seinen Magister in Literaturwissenschaften gemacht. Heute ist er beim Internet-Unternehmen webmiles AG in München für den Kundenservice verantwortlich und "schwer begeistert".

Zum Internet sei er wie die Jungfrau zum Kinde gekommen. "Viel mehr als eine Adresse eintippen konnte ich nicht." Über einen Bekannten erfuhr er von der webmiles AG. Das im September gegründete Start-up-Unternehmen ist ein virtueller Marktplatz für Rabattjäger. Wer sich bei webmiles.de registriert und per Internet bei einem der zahlreichen Partner wie dem Versandhaus Quelle oder dem Reiseveranstalter TUI einkauft, wird - ähnlich wie bei Fluglinien - mit "Freimeilen" belohnt, die er in Form von Prämien einlösen kann. Die Auswahl reicht vom Schlüsselanhänger übers Designer-Fernsehgerät bis zur Reise nach Kanada.

Der Literaturwissenschaftler schaute sich das junge Unternehmen an und war "von der ersten Minute an" Feuer und Flamme. Er stieg als Vorstandsassistent ein, arbeitete sechs Monate eng mit den drei Gründern zusammen und machte sich mit den wichtigsten Internet-Kenntnissen vertraut. Im Januar übernahm er die Kundenbetreuung. Er beantwortet Fragen und kümmert sich um die Probleme der Kunden, schreibt einen Newsletter, schult neue Mitarbeiter und organisiert die Arbeitsabläufe. Auf seiner "Donnerwand" können die Webmiler Gedichte veröffentlichen oder mit ihm und anderen Kunden chatten. 50 Mitarbeiter hat die webmiles AG heute, bis Ende des Jahres sollen noch mindestens 50 weitere dazukommen.

Der elektronische Handel wird immer mehr zur Jobmaschine. Laut einer Studie der Unternehmensberatung Roland Berger werden die Umsätze im E-Commerce 1999 auf 2,9 Milliarden Mark geschätzt, 2001 sollen es dann bereits 27,8 Milliarden Mark sein. Der Online-Handel revolutioniert zunehmend die gesamte Wirtschaft. Branchen wie Buchhandel und Reisebüros geraten unter Druck, weil sich per Mausklick nicht nur schneller, sondern 24 Stunden am Tag einkaufen und buchen lässt. "Jede Woche macht hier eine neue Firma auf", beobachtet Werner Brendli vom Hochschulteam beim Arbeitsamt München. Und noch nie zuvor waren die Chancen für Quereinsteiger so gut.

"Die Ausbildung ist uns eigentlich egal"

Die jungen Firmen brauchen keineswegs nur Programmierer, sondern auch Mitarbeiter für Marketing, Pressearbeit und Vertrieb. Standardanforderungen wie gute Noten oder schnelles Studium spielen dabei oft keine Rolle. "Die Ausbildung ist uns eigentlich egal", sagt Peter Schmid, Sprecher von AutoScout24, einem europäischen Online-Marktplatz für Gebrauchtwagen.

Entscheidend seien dagegen Flexibilität und Offenheit für Neues. "Schließlich ist die Hälfte der Fragestellungen, mit denen wir uns täglich beschäftigen, für uns genauso neu." Auch Kenntnisse in der Informationstechnologie (IT) sind häufig nicht notwendig. "Wir sind eine Marketingplattform", erklärt Alexander Protogerov, geschäftsführender Gesellschafter bei der virtuellen Einkaufspassage City24 Online-Shopping GmbH in München. "Bei uns hat keiner viel Ahnung von Technik." Gesucht seien Leute mit gesundem Menschenverstand und Affinität zum E-Commerce. Das Studienfach sei dabei letztlich unwichtig.