Ist DaimlerChrysler nun ein deutsches Unternehmen, ein deutsch-amerikanisches oder gar ein internationales mit deutschem Chef? Antwort: Je nach Lage.

Jürgen Schrempp, seit dem kürzlichen Rückzug seines Kochefs Bob Eaton alleiniger Vorstandsvorsitzender, behandelt das Thema ganz pragmatisch. Mal spielt er die amerikanische, mal die deutsche Karte. Wenn es um die Lohnzuwächse geht, so klagen die Betriebsräte, halte ihnen das Management gerne die hohen deutschen Kosten vor. Ganz anders sieht das jedoch aus, wenn es sich um die Bezahlung des Managements dreht. Um zu verhindern, dass die hochmögenden DaimlerChrysler-Führunsgkräfte lukrativen Angeboten der Konkurrenz erliegen, müsse eine entsprechende Bezahlung her - nach den weit höheren internationalen, also amerikanischen Maßstäben, versteht sich. Um dem näher zu kommen, will sich Schrempp von der in der nächsten Woche anstehenden Hauptversammlung in Berlin einen lukrativen Aktienoptionsplan für seine Leistungsträger genehmigen lassen. Damit Bares in die Taschen der Manager fließen kann, muss der Aktienkurs in den nächsten Jahren um 20 Prozent gegenüber dem Referenzwert von gut 62 Euro steigen. Was sich schwierig anhört, bedeutet allerdings lediglich, dass der Kurs ungefähr wieder die Höhe der Erstnotierung der DaimlerChrysler-Aktie im November 1998 erreichen muss.

Die Betriebsräte sind von diesem Plan allerdings wenig begeistert, weil er nicht an messbare Leistungen der Begünstigten gekoppelt ist. Bei der Abstimmung im Aufsichtsrat unterlagen die Arbeitnehmervertreter jedoch mit 11 zu 9 Stimmen. Der Grund: Der Vertreter der leitenden Angestellten stimmte mit der Kapitalseite. Zu diesem Ausgang hatte ein geschickter Schachzug des Vorstands beigetragen: Anders als früher werden diesmal nicht nur Vorstände und Direktoren, sondern alle Manager bis zum Abteilungsleiter - insgesamt also rund 6500 Führungskräfte - in den Optionsplan integriert. Da blieb dem Vertreter der Leitenden keine Wahl.

Zwar hat der kritische Aktionär und Schrempp-Biograf Jürgen Grässlin, der wie Schrempp aus dem badischen Freiburg stammt, einen Gegenantrag für die Hauptversammlung gestellt. Auszug: "Dieser Aktienoptionsplan belegt einmal mehr, wie schamlos sich DaimlerChrysler-Vorstände im Schlaraffenland des Shareholder Value bereichern." Aber kaum jemand rechnet damit, dass die Mehrzahl der Aktionäre den lukrativen Plan für das Management ablehnt. Ganz deutsch geben sich Schrempp und Kollegen allerdings, wenn es um die Offenlegung ihres Einkommens geht. Während es in den USA üblich ist, die Gehälter von Spitzenmanagern offen zu kommunizieren, geben sich die DaimlerChrysler-Vorstände hier völlig verschlossen. Da könnte ja jeder kommen und wissen wollen, was Herr Schrempp und seine Vorstandskollegen so aufs Konto kriegen.