die zeit: Stimmt etwas nicht am deutschen System der Aufsichtsräte?

André Leysen: Wir Belgier haben so viel falsch gemacht, dass wir wahre Spezialisten geworden sind, um den anderen frühzeitig zu sagen, wie man es nicht machen soll - was uns nicht hindert, die eigenen Dummheiten weiter zu betreiben. Zu Ihrer Frage: Das deutsche System der Aufsicht ist nicht schlecht. Aber jedes Instrument ist nur so gut wie der Künstler, der darauf spielt der Geiger ist wichtiger als die Stradivari.

zeit: Welche Rolle spielen Aufsichtsräte bei Fusionen? Segnen sie vollendete Tatsachen ab?

Leysen: Den Fall Deutsche und Dresdner Bank will ich nicht kommentieren, sondern eigene Erfahrungen wiedergeben. Fusionspläne haben meist die Großaktionäre. Dann müssen die Kleinaktionäre überzeugt werden. Dazwischen steht der Aufsichtsrat er muss über den Zusammenschluss befinden, bevor die Öffentlichkeit informiert wird. Der Aufsichtsrat ist nicht ausgeschaltet, er kann sein Wort schon erheben. Wenn alles seine Ordnung hat, ist er auch ausreichend vorbereitet. Im Veba-Aufsichtsrat diskutierten wir intensiv vor der Fusion mit Viag.

zeit: Kennen Sie Fälle, in denen der Aufsichtsrat eine vom Management betriebene Fusion verhinderte?

Leysen: Mir fällt keiner ein.

zeit: Aufsichtsräte üben keine Aufsicht?