Bernd Winter hat ein ausgefallenes Hobby: Er sammelt Briefmarken nicht, er entwickelt sie. Seit zehn Jahren bastelt sich der Kunststudent und Industriedesigner seine Marken selbst und verschickt damit seine Post rund um die Welt. Zu seinen gezähnten Freunden zählen innovative Gedenkmotive wie "60 Jahre Fischmütze" oder Marken mit klarem Aufforderungscharakter: "Mammi, ruf nie wieder an!" Die meisten seiner kleinen Kunstwerke treffen schon am nächsten Tag beim Empfänger ein. Ärger gab es bisher nie. Nur selten verlangt ein Postbote mal Nachporto.

Dass Winter seit zehn Jahren mit dieser Masche durchkommt, liegt am Zusammenspiel von Mensch und Maschine bei der Deutschen Post. Die Maschine macht ihre Arbeit ordentlich. Bevor die Stempelanlage loslegt, überprüft ein Laser, ob die Marke jenen fluoreszierenden Leuchtstoff enthält, der ihre Abstammung aus der Bundesdruckerei einwandfrei nachweist.

Auf dessen Bunte-Post-Marken stehen so schlichte Wahrheiten wie: "Wer ficken will, muss freundlich sein". Ebenfalls viele Male erfolgreich verschickt: "Der Zahnadler" aus der Serie "Dr. Krauses bedrohte Tierwelt" und "60 Jahre künstlicher Darmausgang".

Technisch ist die Sache ziemlich simpel. Alles, was man braucht, sind ein Computer und ein Drucker. Bernd Winter macht es so: Was immer ihm als Markenmotiv einfällt, setzt er mit einem Grafikprogramm am Computer in eine der gängigen Briefmarkengrößen um. Ist er zufrieden mit dem Entwurf, dupliziert er ihn so viele Male, wie er auf einer DIN-A4-Seite unterkriegen kann. Anschließend druckt er den Bogen mit einem gewöhnlichen Tintenstrahldrucker auf gewöhnliches Papier. Das war's im Grunde. Doch hätte Bernd Winter nicht seine Perforiermaschine - er wäre niemals auf die Bunte-Post-Idee gekommen.

1990 brachte ein befreundeter Buchdrucker das wuchtige Eisenteil mit nach Hause. Winter besah sich das Stück, Baujahr circa 1890, und dachte: Entweder taugt das zum Perforieren von Klopapier, oder man macht Briefmarken damit. Noch am selben Tag stellten er und sein Freund die erste Bunte-Post-Marke her - mit Lettern aus der Druckerei und blauer Stempelkissenfarbe.

Mit gebastelten Briefmarken Post um die Welt schicken

Damals war Bernd Winter 27 Jahre alt, aber längst kein unbeschriebenes Blatt mehr, was Briefmarken angeht. Bereits als Gymnasiast hatte er langweilige Schulstunden mit dem Bemalen von Postkarten überbrückt. Im jugendlichen Überschwang malte er die Briefmarke gleich mit, neugierig darauf, was nun geschehen würde. Da alle seine Postkarten ihren Empfänger erreichten, wandte sich Bernd Winter bald aufregenderen Dingen zu, Briefmarken interessierten ihn nicht mehr - bis er die Perforiermaschine seines Freundes sah.