Typisch deutsch: Eduard Niedermeier sucht seine Geschäftspartner vorzugsweise persönlich auf. Traditionsbewusst präsentiert er sich und seine 100 Jahre alte Holzgroßhandlung in Landshut noch gern im Trachtenanzug. Ein Unternehmer alter Schule also, durch und durch. Und dennoch: Seinen Sohn Marcus ermunterte er schon vor vier Jahren, moderne Elektronik zu nutzen. Der ging dann seiner eigenen Wege - mit einer Holzbörse im Internet. Dort vermittelt er Bretter und Furniere quer über den gesamten Globus; inzwischen sehr erfolgreich sogar.

Das Beispiel zeigt: Selbst aus Traditionsunternehmen gehen hierzulande inzwischen zukunftsträchtige Internet-Firmen hervor. Genau das, so sieht es derzeit aus, scheint die Stärke der Deutschen und Europäer zu sein. Sie transformieren die Old Economy in eine neue Geschäftsidee im Netz - und kommen damit sogar etlichen Startups der New Economy bedrohlich in die Quere. Selbst in großen Konzernen ist man mittlerweile aufgewacht. Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht von einem neuen digitalen Marktplatz die Rede ist.

B2B lautet das spröde Kürzel für das, was neuerdings auf den Unternehmensetagen für viel Betriebsamkeit sorgt; also Business to Business, was nichts anderes meint als den elektronischen Handel zwischen den Unternehmen. Darf man der Beratergilde glauben, baut diese Entwicklung die Unternehmen fast genauso radikal um, wie es die Industrielle Revolution vor über 100 Jahren bewirkte (siehe ZEIT Nr. 17). Selbst wenn derlei Prophezeiungen übertrieben sein sollten: kein Zweifel besteht daran, dass sich B2B schon bald zu einem Billionenmarkt entwickelt.

Getrieben werden die Manager von der Aussicht, dass die Geschäfte via Netz ihre Verwaltungskosten extrem drücken. Den Büroetagen könnte deshalb eine ähnliche Rationalisierungswelle bevorstehen, wie sie die Fabriken bereits hinter sich haben. Schließlich lassen sich Absatz und Einkauf so effizient wie noch nie managen.

Schon schwärmen Protagonisten von vollautomatischen Abläufen, gesteuert wie von Geisterhand: Faxgeräte bestellen ihren Toner oder Drucker das Papier, ohne dass auch nur ein einziger Mensch noch zum Telefon greift. Vor allem aber lockt die Perspektive, dass die wachsende Transparenz am Markt die Preise drastisch sinken lässt.

Marcus Niedermeier gehört mit seiner Börse zu den Pionieren im Netz: "Die ersten zweieinhalb Jahre waren hart", sagt er. Bei seinem Start, auf seiner Tour quer durch Europa vermied er bei der konservativen Kundschaft noch das Wort Internet. "Und mit E-Commerce durfte ich sowieso nicht kommen." Nur langsam klinkten sich Anbieter und Abnehmer auf seiner Seite (www.holzboerse.de) ein. "Aber jetzt läuft's", sagt Niedermeier.

Wohl wissend, dass seine Kunden aus aller Herren Länder kommen, präsentiert er sein Angebot in sechs Sprachen, schon bald kommen vier weitere hinzu. Das ist ein Teil seines Erfolges. Manchmal aber kommt ihm auch das Schicksal zuhilfe. Nach den großen Überschwemmungen in Asien, als das Holz in der Region knapp wurde, klinkten sich beispielsweise immer mehr Chinesen auf seiner Seite ein. Klares Kalkül war hingegen, dass er sich rund 350 Internet-Adressen reservierte. Verfehlen kann man ihn deshalb selbst im Datendschungel des Netzes kaum. Egal, ob ein Franzose bios.fr oder ein Brite lumber.uk eingibt, er landet immer auf der Seite der Holzboerse aus Landshut.