Gebannt erwartet die Öffentlichkeit den Börsengang von K-Offline. Bis vor kurzem hätte es niemand für möglich gehalten, dass der Markt ein hochgradig defizitäres Unternehmen wie die Berliner Kultur akzeptieren würde. Mit der Lancierung der K-Offline-Aktie betritt Christoph Stölzl, vormals Berliner Kultursenator und nun Vorstandsvorsitzender der Berlin Kultur AG, mutig Neuland.

Der Emissionskurs steht noch nicht fest, aber, so Stölzl, "wir werden ihn mit einer außerordentlichen Verantwortung im Umfeld der derzeitigen Marktsituation - gerade im Hinblick auf die Privatanleger - wählen". Analysten verweisen auf den bekanntlich geringen wordholder value der Berlin Kultur. Stölzl kontert: "Nahezu täglich erwartet man den Einbruch des Neuen Marktes und der New Economy. Das wird eine Stärkung der Old Economy bringen, und darin ist Berlin Kultur stark."

Auf die Frage, wie viele Anteile Berlin erwerben werde, wollte Diepgen sich nicht festlegen. "Jetzt sind die Kleinanleger dran", sagte er. Analysten interpretieren die Äußerung dahingehend, dass sich Berlin als Kleinanleger versteht.

Die Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz hat den Kleinanlegern "Nervenstärke" empfohlen. Die wird auch Stölzl brauchen. Die K-Offline-Aktie ist bereits mehrfach unterzeichnet.

Kulturbeobachter sehen dem Börsenstart vom K-Offline mit gemischten Gefühlen entgegen. Von Reuters befragte Händler erwarten einen "ordentlichen Rutsch" in allen Marktsegmenten. Es werde eine "Zitterpartie" geben. Die Möglichkeit, dass Berlin Kultur die lange erwartete Weltwirtschaftskrise auslöse, wird nicht ausgeschlossen. Dazu Stölzl: "Berlin Kultur hätte das Zeug dazu. Aber wir kennen unsere Verantwortung."

Gerüchte, wonach eine im Umkreis der Berliner Akademie der Künste entstandene Gruppe namhafter Künstler mehrheitlich Anteile erwerben wolle, um Einfluss auf die Berlin Kultur zu nehmen, sind von Akademiepräsident György Konrád dementiert worden.

Angesichts der neuen Lage hat sich auch die ZEIT zur Emission entschlossen. Anteilscheine sind an jedem Kiosk zum Ausgabekurs von voraussichtlich 5 Mark zu haben.