Ein Blitz, ein Knall, und die anfliegende Rakete ist abgeschossen: mit Licht. Diese Szene soll sich noch im April auf dem Testgelände White Sands im US-Bundesstaat New Mexico abspielen. Techniker des Pentagons und der israelischen Armee wollen wissen, ob das von beiden Ländern finanzierte Laserabwehrsystem eine Kurzstreckenrakete vom russischen Typ Katjuscha entdecken, anvisieren und mit einem Schuss zerstören kann. Wenn's klappt, wird der "Tactical High-Energy Laser" (Thel) seine Infrarot-Pulse auf eine ganze Raketensalve richten, denn eine Katjuscha kommt selten allein.

Klappen muss es. Der Zeitplan ist überschritten. Die Technik eines starken Gaslasers auf Deuterium-Fluorid-Basis ist zwar nicht avantgardistisch, aber vertrackt ist die Kombination aus Laser, Sensoren, Zielführung und Computerei. 185 Millionen Dollar hat das System bereits gekostet, 30Millionen mehr als geplant. Der amerikanische Kongress wird nur dann mehr Geld zuschießen, wenn die Tests erfolgreich sind. Sonst stirbt Thel, und auch der soeben veröffentlichte Laser Master Plan des Pentagons fände keine Fürsprecher mehr.

Die Vereinigten Staaten wiederum sind politisch an dem Test stark interessiert. Kürzlich gab es Irritationen, weil Israel den Chinesen Radarsysteme für die Luftüberwachung verkaufte; unter dem Eindruck erfolgreicher Rüstungskooperation fiele es wohl leichter, die Israelis in Zukunft von solchen Deals wegzulocken. Außerdem wollen die USA den Laser eventuell auch an Südkorea liefern.

Thel soll also allenthalben für gut Wetter sorgen. Nicht zuletzt in Europa: Unser Kontinent braucht nach amerikanischer Vorstellung eine weltraumgestützte Abwehr gegen weitreichende Raketen, und da macht es sich besser, wenn auf dem Gebiet der Kurzstreckenwaffen schon einmal Laser in Stellung gebracht sind - das Publikum kann taktische und strategische Rüstung ja ohnehin nicht auseinander halten.

Firmen, Politiker und Militärs machen jetzt den Technikern Druck. Zack, zack! Und wenn's nicht klappt, sind wieder sie schuld, nur sie.