Wir haben Thorsten gesucht, und heute werden wir mit ihm sprechen. Er ist gerade nach Berlin gezogen und wohnt dort bei einem Freund, dessen Telefonnummer wir schließlich über Thorstens Eltern bekommen haben. Heute abend ist es so weit. Dann macht der Freund ein kleines Grillfest, und wir haben ihn extra gebeten, das Telefon laut zu stellen, damit er auch auf alle Fälle das Klingeln hört.

Bis dahin ist noch Zeit. Wir überlegen also, wie von dem anderen Ende der Menschenkette, von Herrn Bredtschneider aus, die Reihe langsam geschlossen werden kann. Um nur zwei Ecken müssen sich der 108-Jährige und der Student kennen. Herr Bredtschneider überlegt, mit welchen jungen Menschen er hier in seinem Senftenberger Altenpflegeheim zusammenkommt. Mit Markus zum Beispiel, dem Zivi. Er arbeitet seit sieben Monaten in der Großküche des Wohnheims, wo er "für Essen und Müll zuständig" ist. Jeden Tag teilt Markus das Geschirr aus, sammelt nach dem Essen alles wieder ein und bringt die Abfallsäcke zu den Containern. Er ist dankbar für diese Stelle, denn zur Bundeswehr wollte er auf keinen Fall. "Dort musst du so unsinnige Dinge tun wie zwei Meter tiefe Löcher buddeln. Und wenn du fragst, wozu, heißt es: zum Wiederzubuddeln."

Markus kennt Herrn Bredtschneider schon lange. Der alte Senftenberger ist wegen der Blumenzüchterei, die er früher betrieb, in der Stadt bekannt. "Ich erinnere mich noch gut an die großen Gewächshäuser, wo ich als Kind mit meiner Familie einkaufen war." Auch an den alten Herrn Bredtschneider erinnert sich Markus. Alt, ja, das könne er so sagen, alt sei der Gärtner damals schon gewesen, als er selbst noch ein Kind war.

Dann rufen wir Thorsten an. Er ist bester Laune, obwohl die erste Woche in Berlin richtig frustrierend für ihn war. Er kannte niemanden in seiner neuen Fachhochschule. "Jetzt, in der zweiten Woche, läuft es schon ein bisschen", sagt er. "Da werden die ersten E-Mail-Adressen ausgetauscht." Er ist also optimistisch - auch weil er sich hier in Berlin mehr mit Mikroorganismen und Gentechnik beschäftigen wird als an der FH in Senftenberg, wo er bis zu seinem Umzug vor zwei Wochen studiert hat.

Mittlerweile hätten ihn etliche seiner Freunde aus Senftenberg auf Herrn Bredtschneider angesprochen, erzählt Thorsten, weil wir ihn im LEBEN gebeten hatten, sich zu melden. Die Frage ist jetzt: Wer verbindet Thorsten und Markus?

Nächste Woche: Wer wird der Letzte in der Menschenkette sein?