Auf einmal springt er auf und flitzt zum Schreibtisch. Schnappt sich Stift und Zettel. Und schreibt eine mathematische Gleichung auf: 1/3 = 0,3. "Und nun nehmen Sie das Ganze mal drei", sagt Frank Hofmann. Das Ergebnis: 1 = 0,9. "Diese Gleichung ist mathematisch korrekt und widerspricht dennoch der naiven Intuition. Faszinierend!"

Wohl wahr. Aber noch faszinierender ist es, diesen Mann zu beobachten, wenn er von mathematischen Gleichungen spricht. Plötzlich beginnen seine Augen zu leuchten und seine Hände zu gestikulieren. Und für kurze Zeit verblassen die Titelbilder, die an der weiß getünchten Wand seines Büros hängen: Perfekter Körper, Wilder Sex!, 9 Soforthilfen gegen Jucken. Seit Juli 1999 ist Frank Hofmann Chefredakteur von Men's Health, dem bizepsstärksten Männermagazin Deutschlands.

1500 Tipps hat jede Ausgabe, davon sind 700 nützlich

Die Jungs auf seinen Titelbildern sehen allerdings noch knackiger aus. Jeden Monat protzt ein schwarzweiß fotografierter Luxusbody am Kiosk - optische Köder für eine Leserschaft, die sich nach verlagsinternen Berechnungen aus 20 Prozent Frauen und 80 Prozent Männern zusammensetzt.

Darunter sind bekanntermaßen auch viele Homosexuelle. An ihnen sollen die Autoren aber auch in Zukunft vorbeischreiben. Hofmann: "Schwule mögen uns sowieso. Wenn wir thematisch mehr auf sie eingehen würden, würden wir an einem Ende mehr verlieren, als wir am anderen dazugewinnen."

An Gewinn war 1996 noch nicht zu denken. Damals warfen die Stuttgarter Motorpresse und der Mutterverlag Rodale Press die deutsche Ausgabe des US-Magazins auf den Markt. Und wohl niemand nahm Men's Health so richtig ernst. Schließlich schien das Blatt einfach nur der Versuch zu sein, sich an den Erfolg des Lifestylemagazins Fit for Fun (Milchstraßen-Verlag) dranzuhängen. Doch Men's Health "schlug ein wie eine Bombe", wie die friedliebende taz ein Jahr später vermerkte. Und noch heute steht die Konkurrenz staunend am Kraterrand: Die verkaufte Auflage - abzüglich der Sonderverkäufe, etwa an Fluggesellschaften - lag im letzten Quartal durchschnittlich bei rund 260 000 Exemplaren. Weder der direkte Konkurrent Fit for Fun noch das glamourösere GQ konnten diesen Level erreichen.

Zudem hat sich das Magazin mit den immer gleichen Themen (Fitness, Sex, Ernährung und Gesundheit) eine klare Position als Zentralorgan alles Männlichen erobert. "Vor ein paar Monaten rief ein Privatsender bei mir an", erzählt Hofmann, "und fragte, ob sich Männer die Achselhaare rasieren. Das hat mich schon ein wenig stolz gemacht. Wir sind das Sprachrohr des deutschen Mannes." Fragt sich nur, wer oder was "der deutsche Mann" ist. Zieht man ein gedankliches Negativ von Men's Health , sieht das "Mannsbild" ziemlich elend aus: ein etwas fülliger Single, zwischen 30 und 40 Jahren, unsicher und hypochondrisch, der sich krampfhaft müht, all das zu sein, was er nun einmal nicht ist. Diesem Typus spendet Hofmanns Team mit geradezu karitativem Elan Lebenshilfe.