Peter Merseburger, der sich durch seine Biografie Kurt Schumachers als ein sensibler Kenner der sozialdemokratischen Parteigeschichte ausgewiesen hat, bereitet für die Deutsche Verlags-Anstalt die Beschreibung des Lebens und Wirkens von Willy Brandt vor, auf die wir schon so lange warten. Indes, es fehlt eine Arbeit, die ihm den Weg bereiten könnte: Noch immer ist die minutiöse Fallstudie über die Rolle des Spions Günter Guillaume, über seine Enttarnung, über die Kenntnisse (und Nichtkenntnisse) des Bundesverfassungsschutzes, über seinen windigen Präsidenten Nollau, über den Einfluss des Nollau-Protektors Herbert Wehner, über das undurchsichtige Verhalten des Bundeskriminalamtes, über die Schnüffeleien in Brandts Privatleben nicht geschrieben - ein Tage-, ja ein Stundenbuch des Kanzler-Rücktritts, seiner Geschichte und Vorgeschichte. Das wäre eine notwenige Fleißarbeit, die uns dies und das über den Nutzen und das Versagen der Dienste in einer Demokratie lehren könnte - und die endlich Licht in das Dunkel des Wirkens von Wehner würfe. Man sollte sich dabei nicht scheuen, das Material zu prüfen, das die Stasi-Späher und -Horcher gesammelt haben: die roten Chronisten unseres bundesrepublikanischen Daseins, die uns - zum Beispiel - so manches über Franz Josef Strauß zu berichten hätten (wäre das Dossier nicht nach einem gemeinsamen Beschluss Helmut Kohls und der Münchner Erben vernichtet worden).