DIE LITTLES HATTEN sich im Waisenhaus eigentlich nach einem normalen Kind umgesehen, doch als Stuart sie ansprach, wussten sie, dass er zu ihnen gehört. Als Adoptivmaus in einer Menschenfamilie zurechtzukommen bringt allerdings so einige Probleme mit sich, und die sind durchaus fundamentaler als die Tatsache, dass er mit einer Hauskatze auskommen muss. Wie soll der kleine Sohn sein Leben in einer XXL-Welt meistern? Die Littles machen das Unmögliche möglich. Schon am ersten Morgen ist alles für Stuart gerichtet: Da steht er mit kariertem Pyjama in einem funktional für Mäusebedürfnisse eingerichteten Bad, bereit, sich die Zähne zu putzen.

Aber woher kommt das ganze Mikroinventar? Folgen wir der Filmhandlung: Wenn Stuart neue Kleider braucht, geht Mrs. Little in einen Kinderspielzeugladen.

Dort in der Puppenabteilung vollführt Stuart dann eine hübsche Modenschau. In dieser Szene wird deutlich, wie viel Wert auf Austattungsdetails gelegt wurde, und das in einem Film, der seine innere Logik so vernachlässigt, dass er fast surreale Qualitäten bekommt. Als die Grafiker und Computeranimateure von Sony Imageworks ihrem ersten volldigitalen Helden etwas zum Anziehen verpassen wollten, begnügten die sich nicht damit, ihm einfach digital was aufs Fell zu schneidern. Stuart wurde erdacht, um Maßstäbe zu setzen, da war kein Platz für billige Tricks. Also schickte Sony eine eigene Arbeitsgruppe los, die Puppenkleider kaufte, um diese einzuscannen. Da diese mit Stuarts Maßen nicht ganz kompatibel waren, wurden sie von Hand umgeschneidert. Die Kleider konnten dann mit dem eigens entwickelten Programm Maya-Cloth dem digitalen Stuart angezogen und bewegt werden. Da rutscht ein Ärmel bei einer Geste nach oben, da verhält sich ein Reißverschluss anders als der ihn umgebende Stoff, da bildet sich eine Falte im kleinen Converse-Schuh beim Auftreten. Wie in echt! Auch die Suche nach einem Badezimmer für Klein Stuart führt in einen Spielzeugladen. Puppenhäuser werden im Allgemeinen von 14 Zentimeter großen Biegepuppen bewohnt, deren Möbel, Besteck oder Toilettenartikel könnten uns (und ihm) da dienlich sein. Ob in der Minizahnpastatube aber auch echte Zahnpasta ist? Bestimmt! Wie soll sich Stuart sonst die Zähne putzen? Fraglich auch, was die Kinder der CDU/CSU Bundestagsabgeordneten nach dem Kinobesuch von ihren Eltern fordern. Der Genforschung alle Wege frei schaufeln, damit wir in Zukunft auch sprechende, auf ihren Hinterbeinen laufende Mäusekinder adoptieren können? - Jedes Kind weiß, dass Genetiker mit Mäusen anderes im Sinn haben. Also mögen die Kinder der Botschaft des Films folgen und ihre Eltern für die Verhinderung der Tierschutz-Grundgesetzerweiterung rügen. Denn schon der kleine Stuart kümmert sich wenig um Äußerlichkeiten. Er behandelt Mensch, Maus und Katze gleichwertig mit Respekt und Achtung.

Stuart Little ist in den Kinos zu bewundern. Detailgetreues Puppenstubeninventar von Bodo Hennig oder Dora Kuhn gibt es in gut sortierten Spielwarengeschäften. Tiere adoptieren kann man im Zoo Köln, mit nach Hause nehmen darf man sie aber nicht