Das waren goldene Zeiten für die - englischsprachige - Karibik: Als Errol Flynn Port Antonio auf Jamaica zu seinem Paradies erkor, als auf Antigua, Anguilla, den Bahamas oder St. Lucia immer mehr hideaways für Prominenz und Geldadel entstanden. Selbst Europäer ließen sich von diesem Rummel mitreißen.

Wer sprach schon von der Dominikanischen Republik oder von Kuba?

Im vergangenen Jahr sorgten ausgerechnet diese beiden - trotz meist rückläufiger Zahlen bei den anderen - für ein Besucherplus in der Karibik.

Stolze 40 Prozent des Aufkommens aus Europa ging auf ihr Konto.

Das macht vor allem der Caribbean Tourism Organization (CTO) zu schaffen, die 32 Karibikstaaten und -anrainer vertritt, darunter auch iberoamerikanisch geprägte wie die Dominikanische Republik und Kuba. Von Haus aus ist CTO eher anglophil, entstand sie doch 1989 aus einem damals schon fast dreißig Jahre alten Interessenverband englischsprachiger Karibikstaaten. In ihren Schaltzentralen in Barbados und New York sucht man zurzeit nach dem Ei des Kolumbus, um dem die anderen Inseln irritierenden Erfolg der Dominikanischen Republik und Kubas auf dem europäischen Reisesektor eine Marketingstrategie entgegenzusetzen. Die übrigen CTO-Mitglieder wollen nun auch etwas vom Kuchen abbekommen. Ihr höchst britisches Motto: Keeping the right balance - unlocking the potential. Die richtige Balance behalten - das Potential erschließen, das ist auch das Thema der Jahrestagung Ende Mai in Guyana.

Die Dominikanische Republik und Kuba interessiert das Motto wenig. Sie agieren nach eigenen Regeln. Und genau diesen haben sie ihren Erfolg in Europa zu verdanken. Autokratische Regierungen, langjährige Sonderabkommen, Steuervorteile für Investoren und niedrige Löhne machten Dumpingpreise möglich, von denen die englischsprachige Karibik nur träumen kann.

Dass die Besucher überwiegend aus Europa kommen, ist ein Kapitel für sich.