Noch in Hitze vom Erfolgstaumel seiner Räuber, vollendete Schiller mit rollenden Augen, die Nase von gärenden Äpfeln verzückt (die er stets im Schreibtisch faulen ließ), sein zweites Drama, ein stürmend drängendes Pandämonium feiler Buben, geiler Weiber, bestechlicher Herren und erstochener Hurenböcke: Die Verschwörung des Fiesco zu Genua, worin 's um die Ränkespiele der Macht und also um Eitelkeiten, Gier und Lügen und also um Liebe und Wollust und also um Leid, Angst und Tod geht. Unter anderem.

Wer hier auftritt, intrigiert alsbald

wer abtritt, schwört Rache. Dazwischen werden Netze ausgelegt, worin sich die nach Macht, Wohlleben, nach Liebe Hechelnden verfangen, meist über Kreuz, sodass die Liebenden im Gespinst der Mächtigen verröcheln, der Machtgeile im Schoß der Liebe verzuckt. Wie das Leben, wenn es kraus ist, eben spielt. Und bei Schiller ist es kraus und spielt wild, und mit diesem Aufgebraus wollte er, 1783, am Vorabend von Revolutionen, seinen Landsleuten ein paar pfingstliche Flämmchen aufstecken gegen Fürstenwillkür. Doch man befand den Fiesco als verquast. Am Wiener Burgtheater kürzte Kaiser Joseph II. (ein Aufklärer immerhin) eigenhändig den Text, und die Mannheimer gähnten gar. "In den Adern der Pfälzer", murrte der Dichter, flösse kein Römerblut

"republikanische Freiheit ist hier zu Lande ein Schall ohne Bedeutung".

Saumägen ruhen in den Wänsten der Pfälzer. Und den Österreichern wärmen zarte Lungenbraten die Herzen. Um die Macht im Staat rangeln derweil, fesch und sportiv, Dandys mit Trachtenjankern und Zigarren, grau melierte Yuppies mit Mascherl (austriakisch für Fliege), einige Damen gurgeln im Kielwasser. Wo man hingreift, gibt es nach

wo man wegschaut, manndelt es sich auf und usurpiert.

Ein republikanisches Trauerspiel hat es Schiller genannt, und Andreas Kriegenburg an der Wiener Burg macht eine burleske Komödie draus. Beim Durchlesen, was Wunder, fielen ihm Schillers wahnwitzige Theatereien auf, all die Tricks mit Briefen, Einflüsterungen, Vermummungen, das Hennengackern der Eifersucht, das Hahnenhacken der Männchen, vor allem jedoch, dass alle wie komplette Narren hinter etwas herhecheln, ohne das Ziel zu wissen. Die Jagd ist das Ziel, Politik ist Selbstzweck, ihr Sinn sinnlos - 's is eh alles aans, Hauptsach: a Heetz!