Sein oder Nichtsein!", "Endsieg oder Untergang!", "Siegen oder fallen!" -

so lauteten die fatalen Parolen, mit denen die nationalsozialistische Propaganda 1944/45 die Zukunftsaussichten des deutschen Volkes beschrieb. Die Befehlshaber der Wehrmacht begegneten solchem Untergangspathos nicht etwa mit kühlem Realitätssinn. Vielmehr garantierten sie kraft ihrer Befehlsbefugnisse, dass der "heroische Kampf" in den Abgrund auch tatsächlich durchgefochten wurde.

Das letzte Dreivierteljahr des Zweiten Weltkrieges war für die Deutschen keine Etappe des Krieges wie jede andere. Sie war die mörderischste und zerstörerischste überhaupt. Nach der Landung der Alliierten in der Normandie im Sommer 1944 verschärften die Amerikaner und die Briten ihren Luftkrieg gegen deutsche Städte. Durch Terrorbombardements sollte die Kampfmoral der Deutschen gebrochen und die Kapitulation erzwungen werden. So sank eine Stadt nach der anderen in Schutt und Asche. Etwa sechshunderttausend deutsche Zivilisten starben im Bombenhagel

fast acht Millionen Menschen wurden obdachlos.

Gleichzeitig nahmen die Kämpfe am Boden, die jetzt diesseits der Grenzen des deutschen Reiches stattfanden, an Härte zu. Soldaten wie Zivilbevölkerung wurden nun von der kriegerischen Gewalt eingeholt, welche die Wehrmacht seit 1939 durch ihre Überfälle auf die Nachbarstaaten entfesselt hatte. Die deutsche Armee kämpfte 1944/45 mit noch immer mehr als zehn Millionen Mann gegen eine erdrückende Übermacht der sowjetischen, amerikanischen und britischen Alliierten. An allen Fronten hatte sie enorme Verluste hinzunehmen. Der mörderische Charakter dieser Schlussphase wird besonders an den folgenden Zahlen deutlich: In den zehn Monaten zwischen Juli 1944 und der Kapitulation am 8. Mai 1945 kamen mehr Deutsche ums Leben als in den fast fünf Kriegsjahren davor. Unsere Vorstellungskraft reicht kaum aus, zu begreifen, was es heißt, dass in dieser Zeit monatlich etwa drei- bis vierhunderttausend Deutsche, Soldaten wie Zivilisten, getötet wurden. 2,6 Millionen Wehrmachtsoldaten starben in diesen Monaten.

Dabei war doch den meisten Menschen klar, dass dieser Krieg nicht mehr siegreich beendet werden konnte. Wieso aber wurde er dann überhaupt noch geführt? Warum hat Hitler den Krieg nicht früher beendet? Weshalb hat die Wehrmachtführung nicht - wie seinerzeit die Oberste Heeresleitung unter Hindenburg und Ludendorff im Herbst 1918 - die Regierung aufgefordert oder gar gezwungen, Waffenstillstandsverhandlungen einzuleiten? Weshalb wurde über eine frühere bedingungslose Kapitulation niemals ernsthaft nachgedacht? Warum haben die mehr als zehn Millionen deutschen Soldaten, die 1944 Dienst leisteten, keinen Druck ausgeübt, etwa durch einen verdeckten Militärstreik wie 1918 an der Westfront? Schließlich: Weshalb hat die deutsche Zivilbevölkerung nicht gegen die Kriegsverlängerung protestiert? Weshalb hat sie nicht gestreikt oder gar Revolution gemacht wie damals, 1918? Fragen dieser Art sind immer wieder gestellt, aber bis heute nicht überzeugend beantwortet worden.

Schon 1918/19 träumten die Militärs vom "ehrenvollen Untergang"