Der Fall Biberstein belegt ein weiteres Mal, wie problemlos der faschistische Geist in das deutsche Luthertum eindringen konnte. Die Autoren monieren das "Fehlen von Monografien zu regionalen und lokalen Amtsträgern".

Dies trifft zumindest für den Bereich der Braunschweigischer Landeskirche nicht zu. Hier hat der frühere Pfarrer von Offleben, Dietrich Kuessner, aus den Archiven die verdrängte Vergangenheit hochgeholt. Gegen Widerstände der Kirche hat Kuessner auch den besonders krassen Fall des Juristen Lerche der Vergessenheit entrissen, der als Richter vor 1945 Terrorurteile fällte und nach 1945 Karriere in der Braunschweiger Landeskirche gemacht hat.

Dr. Kurt Dockhorn, Braunschweig

In dem Artikel wird die Biografie meines Vaters Propst Richard Steffen in "Parallele" gesetzt zu der Biografie des "Pastors, der zum Massenmörder wurde": Ernst Biberstein alias Szymanowski. Dies zeugt nicht nur von einem unverantwortlichen Umgang mit den Fakten, sondern erfüllt meines Erachtens den Tatbestand der üblen Nachrede.

Biberstein wurde nach dem Krieg im Nürnberger Einsatzgruppenprozess zum Tode verurteilt. Drei Jahre später wurde das Urteil in "lebenslänglich" umgewandelt. Meinem Vater konnte in einem Entnazifizierungsverfahren durch die Engländer nichts zur Last gelegt werden, was der weiteren Ausübung seines Amtes entgegenstand. Er ist als Propst in Neumünster als geachteter und von vielen verehrter Mann der Kirche bis zur Vollendung seines 70. Lebensjahres tätig gewesen. Wo sind hier "Parallelen" zwischen beiden Biografien? Und wie steht es mit der SS-Kameradschaft als Motiv für das Eintreten meines Vaters für den inhaftierten Biberstein? Nicht als SS-Kamerad, sondern im Auftrag der Schleswig-Holsteinischen Landeskirche - wie es in dem Artikel richtig heißt - hat er Biberstein im Gefängnis in Landsberg besucht. Der Gedanke, dass das aus seelsorgerlicher Verantwortung für einen Mann geschah, der einmal Amtsvorgänger meines Vaters gewesen war, der zumindest ein, wenn auch aus der Kirche ausgetretener, Amtsbruder gewesen war - dieser Gedanke scheint den Verfassern nicht in den Sinn gekommen zu sein. Mein Vater war dafür bekannt, dass er "gescheiterten Existenzen" in seinem Zuständigkeitsbereich Möglichkeit verschaffte, weiter zu existieren. Ich kann darin nichts Unchristliches sehen.

Uwe Steffen Ratzeburg