Vor tausend Jahren reiste der deutsche Kaiser mit großem Gefolge nach Gnesen, um einen Freundschaftspakt mit Polens König zu besiegeln. Vergangene Woche fuhr der deutsche Kanzler mit einem schrumpfgermanischen Kabinett (die meisten Minister hatten am Ende Wichtigeres vor) zur Millenniumsfeier nebst Regierungskonsultationen.

Zeremonien schaffen keine Zukunft. Die europäische Vereinigungspolitik verlangt neue schöpferische Kraft. Daran mangelt es. Außer Gnesen nichts gewesen.

Doch gingen und gehen nicht auch Deutsche und Franzosen immer wieder durch Täler und Senken? Der gravierende Unterschied liegt darin, dass die europäischen Lasten inzwischen die deutsch-polnischen Beziehungen abschnüren.

Die Mehrheit der Polen setzt den übermächtigen Nachbarn heute mit der EU gleich. Und die droht Polens Crux zu werden. Dank der Unfertigkeiten in Brüssel und Warschau, dank provinzieller Gleichgültigkeit in Berlin.

Weil die Bundesrepublik nicht der östlichste Teil Westeuropas sein wollte, hatte Helmut Kohl auf Polens Integration gedrängt. Das ließ die Stiefkinder der Geschichte auf einen Bonus für den EU-Beitritt hoffen. Den gab es nicht.

Die Kampfrichter in Brüssel geben dem Land jetzt nur für seine dynamische Kür gute Noten, nicht aber für das strukturpolitische Pflichtprogramm. So wie viele Polen ihren Blitzstart nach Europa auch den Deutschen gutschrieben, kreiden sie ihnen nun die Misserfolge an.

Das unglückliche Junktim zwischen der deutsch-polnischen Vergangenheit und den europäischen Zukunftsfragen hatte bereits die alte Koalition geknüpft, allen voran Erika Steinbach. Die deutsche Außenpolitik, so die Vertriebenenpräsidentin 1998, solle Polens EU-Beitritt blockieren, falls Warschau in der Entschädigungsfrage nicht beweglicher werde. Polens neue Ängste vor Europa ließen sich wieder an den alten Ängsten vor deutscher Bevormundung festmachen.