Am liebsten kommt er mit dem Motorrad, in dunkler Kleidung und mit vermummtem Gesicht: der dreiste Dubliner Dieb Michael Lynch. Er provoziert, betrügt, stiehlt, er greift in seiner Heimatstadt nach allem, was ihn interessiert, so, als sei sie ein Selbstbedienungsladen, bei dem vergessen wurde, die Kassen einzubauen. Anfangs, auf dem Weg zu einem Gerichtstermin, wo sein Anwalt bezahlt werden will, überfällt er noch rasch eine Bank. Er wolle "ein bisschen Geld abheben", scherzt er dabei. Ihm gefällt es, höflich und charmant zu sein. Da ein Witz, dort ein Kompliment.

Gern erzählt er von einem uralten Traum aus seiner Jugend. Er habe damals in einem großen Haus gewohnt, das nur für ihn, seine Frauen und Freunde gebaut worden sei. Alles habe er tun dürfen, was er habe tun wollen, ohne dass ihm einer in die Quere gekommen sei. Und Gott habe dazu gelächelt. So naiv dieser Traum, so unbefangen auch der ganze Film. Manchmal hat man das Gefühl, es gehe im Grunde nur um eines: den Spaß zu vermitteln, den es bereitet, wenn einer allen unentwegt die lange Nase zeigt.

Höhepunkt von Thaddeus O'Sullivans Ordinary Decent Criminal ist ein frecher Kunstraub: Fünf Caravaggios auf einem Schlag hängt Lynch mit vier Freunden einfach ab und trägt sie weg. Der Coup gelingt, weil er auf einem listigen Kniff beruht - niemand kann die Räuber angreifen, da sonst die kostbaren Gemälde in Gefahr geraten.

Diesen Schelm von Dublin, von Kevin Spacey mit Verve verkörpert, inszeniert der Ire O'Sullivan mit lausbübischer Fantasie: Er zeichnet ihn als Ritter der Nacht, Fürst der Dunkelheit, voller Schalk und Wagemut, voller Energie und Trotz. Und zugleich als Familienmenschen, als Liebhaber zweier schöner Schwestern, Vater dreier Kinder, lustig und sanft, liebevoll und zärtlich.

Mehrfach setzt O'Sullivan in seinem Gaunerfilm kontrapunktische Akzente. Die großfamiliäre Idylle des Banditen wird angereichert durch hektische Bilder von Freunden und Gegnern. Und immer wieder fügt er Momente der Unruhe und Nervosität neben Siegerposen, um das Heroische zu konterkarieren, den Übermut seines Helden gegen den Rest der Welt. Ein seltsam fragiles Porträt ist so entstanden, eine verspielte Erzählung der Melancholie und Zersetzung.

Ein wichtiges Prinzip dabei: die Spannung zwischen Wort und Bild. Da wird, während man Lynchs sprachgewaltigen Plänen lauscht, die spätere, fehlerhafte Ausführung sichtbar. Das bringt diese jungenhafte Räuber-und-Gendarm-Spielerei auch atmosphärisch ins Schweben. O'Sullivan inszeniert oft ungelenk, manchmal sogar linkisch. Ihn interessiert nichts weniger als die gängige Glätte eines Studiofilms aus Hollywood. Mal lässt er überlang seinen Blick schweifen über die irische Landschaft. Mal verharrt er ruhig, ja geradezu verliebt auf nebensächlichen Details. Mal bricht er die eigene Erzählung auf, indem er sie durch Fernsehbilder doppelt oder variiert.

Der Stoff basiert auf der Lebensgeschichte des Dubliner Gangsters Martin Cahill, den John Boorman vor kurzem in The General eher distanziert und nüchtern porträtierte. Thaddeus O'Sullivan zielt mehr auf eine märchenhafte Ballade über einen schlitzohrigen Grenzgänger, der sich nur wohl fühlt, wenn er allem Verbotenen trotzen kann. Niemals verlieren, solange man nur sich und seiner Sache treu bleibt, das ist das Lebensmotto dieses irischen Feuerkopfs.