die zeit: Herr Nölling, Anfang 1998 wollten Sie gemeinsam mit drei anderen Wissenschaftlern den Euro per Verfassungsklage verhindern. Vergeblich. Vor 16 Monaten wurde der Euro eingeführt, seitdem verliert er gegenüber dem Dollar kontinuierlich an Wert. Fühlen Sie sich bestätigt?

Wilhelm Nölling: Ich finde Rechthaberei furchtbar. Man kann auch nie ganz und in jedem Detail Recht haben. Aber was wir damals in Zusammenhang mit der neuen Währung an Gefahren gesehen haben, ist tatsächlich voll bestätigt worden. Der Euro ist eine schwache Währung.

Wolfgang Filc: Von wegen. Um sagen zu können, der Euro sei schwach, müsste man wissen, was der angemessene Kurs des Euro wäre. Der Wert von 1,178 Dollar, mit dem der Euro ins Rennen ging, ist es jedenfalls nicht. Das war eine politische Entscheidung, keine ökonomische. Man hat einfach die Kurse vom 31. Dezember 1998 genommen. Damals aber war der Dollar wegen der Russlandkrise ausnehmend schwach.

zeit: Der Kurssturz des Euro auf das Allzeittief von 0,91 Dollar macht Ihnen also keine Sorgen?

Filc: Wieso Allzeittief? Der Euro ist die Fortsetzung der D-Mark. Beim derzeitigen Euro-Kurs muss man für einen Dollar 2,13 Mark bezahlen. 1985 waren es 3,47. Das entspricht 56 Cent für den Euro. Ich sehe deshalb die angeblich ausgemachte Schwäche des Euro nicht.

Nölling: Bei der D-Mark war der zeitweise niedrige Kurs gegenüber dem Dollar kein Problem. Die D-Mark war auch in schwachen Zeiten eine Währung mit starker Vergangenheit. Und die Bundesbank war eine Zentralbank, die Vertrauen genoss. Beim Euro ist das anders. Der niedrige Außenwert folgt aus dem Misstrauen der Kapitalmärkte in die neue Währungsordnung.

zeit: In Ihrer Klage gegen die Währungsunion nannten Sie den Euro ein Verarmungsprogramm. Jetzt sagt der CSU-Politiker Michael Glos, der schwache Euro mache die Deutschen ärmer.