Manche Bücher bestechen schon durch ihr Äußeres. Die in farbigem Karton gebundenen Bändchen mit den goldgeprägten Titeln, mit Lesebändchen und Fadenheftung, das Ganze im handlichen Format der Taschenbibliotheken des 19.

Jahrhunderts - wer sich in der Buchhandlung von der Reihe Europa Erlesen des Klagenfurter Wieser Verlags nicht angesprochen fühlt, muss es schon sehr eilig haben.

Die um zwei- bis dreihundert Seiten starken Bände widmen sich jeweils einer europäischen Stadt oder Region und versammeln anthologisch Texte verschiedener Herkunft zu diesem Thema. Die auffällige Hinwendung zu Ostmitteleuropa, die sich in der Programmgestaltung niederschlägt, ergibt sich nicht nur aus der slowenisch-deutschen Zweisprachigkeit des Verlages.

Sie überzeugt auch auf den ersten, spätestens auf den zweiten Blick. Dass aus der Beschreibung von Galizien, Prag, Sankt Petersburg oder Wien große Literatur entstand, ist weithin bekannt, dass Istrien, Ljubljana und Dalmatien nicht weniger inspirierend gewirkt haben, belegen die entsprechenden Bände von Europa Erlesen.

Wie will man sich etwa einem faszinierenden, aber komplizierten Phänomen wie der siebenbürgischen Vergangenheit mit ihren verschlungenen Traditionslinien von Ungarn, Rumänen und Deutschen angemessener als literarisch nähern? Es gehört zu den Vorzügen des Bandes Siebenbürgen, dass rumäniendeutsche Schriftsteller wie Michael Astner oder Franz Hodjak ausgiebig zu Wort kommen, die beide nicht zur Festschreibung unumstößlicher Wahrheiten neigen.

Stattdessen drücken ihre Texte mit großer literarischer Souveränität ein Bewusstsein von Unsicherheit aus, das aus der persönlichen wie gesellschaftlichen Umbruchsituation der Region erwächst. "Eine Sammlung literarischer Texte über Siebenbürgen kann nur ein Nachruf sein", so das bittere Resümee des Herausgebers Georg Aescht, denn "Siebenbürgen gibt es nicht mehr".

Die meisten Bände bieten eine kalkulierte Mischung von literarischen und journalistischen Texten, zum überwiegenden Teil aus dem 20. Jahrhundert.