Es kommt manchmal der Moment, an dem der Schöpfer seine Figuren am liebsten abmurksen würde. Den Käpt'n Blaubär hätte der Hamburger Zeichner Walter Moers vor vier Jahren am liebsten ins Jenseits geschickt. Mit einem spitzen Gegenstand. Auch auf sein Kleines Arschloch verübte er mehrere Mordanschläge, nachdem er miterleben musste, wie die rotzende, motzende, Blondinenwitze reißende und sexbesessen im Bumsbomber nach Bangkok jettende Knollennase zum Kultstar aufstieg.

Er versuchte, das Arschloch zu vernichten, indem er Konkurrenten antreten ließ: den Behindertenwitze reißenden Krüppel mit Namen Alter Sack und den voll bescheuerten Nachbarsköter Peppi. Aber auch die konnten nicht verhindern, dass das Kleine Arschloch zum Entertainer aufstieg, sich als rülpsender Comic-Sinatra einen kolossalen Fanclub von amüsierten Verbrauchern zulegte.

Vor drei Jahren wandte sich Moers mit einem Hilferuf an die Öffentlichkeit.

Meine Comicfigur dreht durch!, schrieb er damals im ZEITmagazin, denn weitere Attentate auf das Kleine Arschloch - wie kindische Radierversuche oder die schiere Weigerung, es zu zeichnen - waren kläglich gescheitert.

Als Gefangener im Energiebann der Fangemeinde, stöhnte Sklave Moers, sei er nach jedem Mordversuch genötigt, es durch kleine Götter-gaben wieder milde zu stimmen: ein Kleines Arschloch-T-Shirt hier, ein Kerzenleuchter in Arschlochform dort. Es begann die Hochblüte des radikalen Comic-Merchandising in Deutschland. Arschloch auf der Küchenschürze, Arschloch als Film, Arschloch auf Unterhose und Klopapier.

Was, fragen wir begeisterten Bildchengucker uns, kann das liebe Arschloch dafür, dass es sich aus den Fängen seines frustrierten Schöpfers hat emanzipieren können? Wann, fragen wir uns weiter, prangt Arschloch endlich an der Schulzimmerwand, hängt sich über die Altäre?

Immerhin hast du es schon hingekriegt, dass du erst deinem Schöpfer und dann auch den Eichborn Verlag geknechtet hast. Der hatte einst versucht, sich mit Hans Magnus Enzensbergers Anderer Bibliothek ein elitäres Image zu verpassen - zum Glück vergeblich. Umgehend hast du das Unternehmen zu den wildesten Spagaten in der Deutschen Verlagsszene gezwungen. Klasse! Denn wir wissen, DU bescherst den Shareholdern den Value. DU, als Tabu brechendes Arschloch angetreten, lieferst heute die Umsätze, die ein Überleben sichern. Nicht die müden Intellektuellen mit ihrer langweiligen Dämmerprosa.