Über US-Bürger, die ihren Beruf aufgeben, um ihren Lebensunterhalt durch Aktienhandel zu verdienen, wird häufig berichtet. Es wird jedoch zu selten erwähnt, dass mehr als 70 Prozent dieser so genannten Daytrader Verluste machen.

Uns Narren ist selbstverständlich klar, dass man mit dem schnellen Zock keinen Blumentopf gewinnen kann. Uns kam deshalb eine Geschäftsidee, die wir den Lesern nicht vorenthalten wollen: Wenn beim Daytraden nichts zu holen ist, können wir immer noch am Handel verdienen. Darum gründen wir eine Daytrading-Firma.

Auch hierzulande würden viele gern ein Vermögen aufbauen, ohne dafür zu arbeiten. Der lang andauernde Bullenmarkt und die Legenden von Lieschen Müller und Otto Normalverbraucher, die durch zehn Mausklicks pro Tag stinkreich werden, sorgen für Interesse an diesem Angebot.

Der gesunde Menschenverstand sagt zwar, dass fast alle unsere Kunden Haus und Hof verlieren werden. Wir können trotzdem darauf bauen, dass sich ein paar Schafe in der Herde der Anleger ausmachen lassen, die von sich glauben, sie trügen einen Wolfspelz und seien schlauer als der Rest der Welt.

Deshalb schalten wir in Zockermagazinen, deren Zielgruppe Gierhälse mit Neigung zur Selbstüberschätzung sind, Anzeigen, in denen wir versprechen, dass jeder schnell reich werden kann.

Unsere Firma, die wir Ripoff Traders nennen, sollte eine Gesellschaft mit sehr beschränkter Haftung sein und Computer, Handelssoftware und Kommunikationseinrichtungen an die Kunden vermieten. Eine weitere, völlig unabhängige Firma, die wir Ripoff Consulting taufen, bietet Wochenendseminare an, um die Klienten für den Kampf an der Daytrading-Front fit zu machen.

Damit sind fast alle Voraussetzungen für unseren Erfolg erfüllt: Wir bekommen Geld für Schulungen und vermieten die Ausrüstung. Die Damen und Herren Trader müssen also heftig daddeln, um die Grundgebühren wieder hereinzuholen. Aber auch am Handel selbst wollen wir verdienen und schaffen eine für uns günstige Gebührenstruktur.