Die Zeit: Am 23. April wurden 21 Menschen, darunter drei Deutsche, auf einer malaysischen Ferieninsel als Geiseln genommen. Wie sollte man sich in einer solchen Situation verhalten?

Ulrich Wegener: Die Geiseln dürfen auf keinen Fall versuchen, Widerstand zu leisten. Keiner sollte sich als Held aufführen. Sinnvoller ist es, sich kooperativ zu zeigen. Sie müssen mit den Geiselnehmern auf einer sachlichen Ebene diskutieren, versuchen, ihnen klarzumachen, dass alle in einem Boot sitzen. Und dass es nicht in ihrem Sinn sein kann, wenn sich der Zustand der Geiseln verschlechtert.

Zeit: Falls die Entführten trotzdem schlecht behandelt werden - was können sie tun, um ihre Lage zu verbessern?

Wegener: Am besten ist es, die Kidnapper auf ihr Privatleben anzusprechen.

Sie nach ihren Frauen und Kindern fragen, ihnen von der eigenen Familie erzählen. Damit erreicht man bei den meisten Geiselnehmern eine bessere Behandlung Zeit: Was für Typen von Entführern gibt es, und woran erkennt man sie?

Wegener: Wir unterscheiden zwischen so genannten Profis und Amateuren. Der Profi ist am Anfang einer Entführung sehr hart und konsequent. Aber er weiß um den Wert seiner Geisel. Sobald er einen Zufluchtsort gefunden hat, verhält er sich ihr gegenüber vernünftig. Er ist prinzipiell kühler und berechnender als ein Amateur. Der gebärdet sich wie ein Macho, verhält sich eventuell unnötig gewalttätig gegenüber den Geiseln und dreht unter Stress schnell durch. Sollte jetzt im Falle von Malaysia die islamistische Rebellengruppe Abu Sayyaf hinter der Entführung stecken, hat man es mit Profis zu tun.

Zeit: Entwickeln sich auch unter den Geiseln bestimmte Typen?