Wissenschaft macht mobil: Wir leben nicht nur im Jahr der Physik, im Jahrzehnt des menschlichen Gehirns (das kürzlich einige deutsche Hirnforscher ausgerufen haben), im Jahrhundert der Biologie, sondern auch im Jahr der Mathematik. Mit Letzterem will die Internationale Mathematiker-Union (IMU) gemeinsam mit der Unesco die Werbetrommel für das Fach rühren. Doch ist das Datum in der Öffentlichkeit ungefähr so bekannt wie die tausendste Nachkommastelle der Kreiszahl Pi. Wie man es besser macht, kann die IMU jetzt von zwei Verlagen aus England und den USA lernen: Einen Preis in Höhe von einer Million Dollar setzen Bloomsbury Books und Faber & Faber für denjenigen aus, der als Erster die Goldbachsche Vermutung beweist.

Worum geht es? Bereits 1724 schrieb Christian Goldbach, jede gerade Zahl größer als 2 ließe sich als die Summe zweier Primzahlen darstellen. 26 ist demnach 13 plus 13, 72 gleich 19 plus 53. Inzwischen haben Computer die Aussage für Zahlen kleiner als 400 Billionen bestätigt. Ein korrekter mathematischer Beweis gelang aber bis heute niemandem. Doch nun winkt bis zum 15. März 2002 das Preisgeld. Nebenbei werben die beiden Verlage damit für den Roman Onkel Petros und die Goldbachsche Vermutung von Apostolos Doxiadis.

Gegen den eher unwahrscheinlichen Fall, dass jemand das Goldbach-Problem löst, haben sich die Verlage selbstredend bei Lloyd's versichert. Dennoch könnte die ungewöhnliche Werbung für sie zum Bumerang werden: Ist die Kampagne zu erfolgreich, müssen sie schließlich eine ganze Riege hoch bezahlter Spezialisten einstellen, um die angeblichen Beweise zu prüfen.

Das zeigt die Geschichte der so genannten Fermatschen Vermutung, die 1997 der Brite Andrew Wiles knackte. Für den lange gesuchten Beweis hatte 1908 der Darmstädter Industrielle Paul Wolfskehl 100 000 Goldmark ausgelobt - und schon im ersten Jahr gingen 621 Lösungsvorschläge ein. In Zeiten von Globalisierung und Internet könnten sich an der Goldbach-Vermutung noch weit mehr Möchtegern-Millionäre versuchen. Die Prüfung all dieser vermeintlichen Geistesblitze wird leicht zur Sisyphusarbeit.

Dennoch ist die Aktion richtungweisend. Geht es um Millionenbeträge, wird sogar ein als staubtrocken verschrieenes Fach wie die Mathematik attraktiv.

Unbewiesene Aussagen gibt es genug. Die IMU könnte nächstes Jahr eine Million auf die Unendlichkeit der Primzahlzwillinge aussetzen, übernächstes auf die Riemannsche Vermutung. Selbst die fachliche Prüfung der Einsendungen wäre kein Problem. Für ein besseres Image ihrer Disziplin würden die Mathematiker das wohl gern umsonst tun.