Wer könnte das vergessen: wie Audrey Hepburn als Sabrina einhändig und im Sekundentakt Dutzende von Eiern fürs Soufflé köpft. Wie die arme Amerikanerin in Paris neben der Kochkunst auch das gewisse Etwas erwirbt und wie sie anschließend den Millionär ihres Herzens betört. Schwer zu sagen, was am Ende den Ausschlag gab: Rehaugen oder Rehbraten. Jedenfalls hat die Hepburn nicht nur den Film zum Klassiker gemacht, sondern auch der Kochschule Le Cordon Bleu zur Unsterblichkeit verholfen.

Das 105 Jahre alte Institut, in dem Billy Wilder die berühmte Kochszene filmte, kann sich bis heute nicht über mangelnden Zulauf beklagen. Im Gegenteil: Der Andrang ist so groß, dass neben dem Hauptquartier in der Pariser Rue Léon Delhomme auch noch Schwesterschulen in London, Tokyo und Sydney eröffnet haben, die die Feinheiten französischer Kochkunst vermitteln.

Der Schulalltag hat sich über die Jahre wenig verändert - die Schüler dafür aber umso mehr. Wäre die Kochschule heute noch einmal Schauplatz einer Hollywoodproduktion, dann würde die Heldin am Ende nicht heiraten, sondern ein angesagtes Szenelokal eröffnen. Gut möglich, dass dort nicht nur sie selbst, sondern auch ihr Millionär am Herd stünde.

Das Cordon Bleu, einst als klassische Höhere-Töchter-Anstalt gegründet, hat sich über die Jahre zur Pilgerstätte der Lukullusjünger entwickelt. Hier treffen ambitionierte Jungköche auf Manager mit Kreativdefizit und andere Aussteiger mit feinem Geschmack. Zwar gibt es sie noch, die Tochter aus gutem Haus, die sich hier auf eine Zukunft als besser kochende Hälfte vorbereitet.

Doch inzwischen sind unter den Eleven ebenso viele Männer wie Frauen. Die Mehrzahl von ihnen träumt wie Andrew Nelson von der Selbstverwirklichung in der gehobenen Gastronomie.

Der 38-jährige Amerikaner ist studierter Betriebswirt. Viele Jahre lang verkaufte Nelson bei der Citibank in San Francisco Lebensversicherungen und Pensionspläne. Doch irgendwann hatte er genug. Selbstkritisch nahm er seine Stärken und Schwächen unter die Lupe, um herauszufinden, was ihm in seinem Büroleben fehlte. "Dabei fiel mir auf, dass ich immer gern gekocht habe - schon seit meinem zwölften Lebensjahr", erinnert er sich. Kurz entschlossen kündigte er seinen Job und kam nach Paris. Wenn er es nach der Schule nicht schafft, in einem Drei-Sterne-Restaurant anzuheuern, will er einen Catering-Service aufziehen. Auf Gehaltseinbußen hat er sich schon eingestellt, selbst absolute Spitzenköche verdienen im Vergleich zu Bankern nur mäßig (in Deutschland maximal 100 000 Mark im Jahr). Das jedoch stört Kochschüler Nelson wenig. "Was ich an Einkommen verliere, gewinne ich an Lebensfreude", meint er unbekümmert. "In die Bank werde ich auf jeden Fall nicht zurückgehen."

Der Stundenplan liest sich wie eine verlockende Speisekarte