Cacak

Typisch. Etwas anderes fällt einem zu Cacak nicht ein. Fabriken legen einen Ring um die Stadt. Im Zentrum kriechen Häuser, die ein Jahrhundert überlebt haben, erschöpft zusammen, bis sie einen Haufen aus Ziegeln, Stein und Holz bilden. Ein sozialistischer Allzweckblock beschattet den Hauptplatz.

Schließlich noch das Café mit gelangweilten Jugendlichen, der Markt mit verhutzelten Bauerngesichtern, Eiern, Käse,Trockenfleisch und viel Ramsch.

Das war's. Serbische Provinz. Milosevic-Land. Cacak. 60 000 Einwohner. Alles wie gehabt.

Aber irgendetwas liegt schief, ein Missklang im Rhythmus der schläfrigen Provinz. Über der Stadt am Berg Ljubic steht die Antennenanlage des TV Cacak, das Gelände eingezäunt mit Stacheldraht, die Tür verbarrikadiert und rund um die Uhr bewacht. Man ist auf einen Angriff vorbereitet - als wäre der Krieg nicht weit. Der Feind ist die Polizei von Milosevic. Sie war schon einmal hier, während des Nato-Krieges, und hat die Sendeanlage zum Schweigen gebracht. Das soll nicht mehr passieren. "Wir sind bereit!", sagt Miroslav Markicevic und schwenkt seine Mobiltelefon. Damit will er im Fall einer Attacke die Bürger mobilisieren. Und man kann sicher sein, dass sie zu Hunderten kommen würden, wie es Markicevic verspricht. Denn Milosevic ist hier unpopulär wie sonst kaum irgendwo in Jugoslawien. Von den 70 Abgeordneten stellt seine Sozialistische Partei in Cacak ganze 8. Vom Berg Ljubic aus gesehen, ist Milosevics Jugoslawien so etwas wie feindliches Ausland.

Auch der Widerstand beginnt mit Geschichten - Geschichten, wie sie Miroslav Markicevic seinem fünfjährigen Sohn Wladimir über den Bombenkrieg der Nato erzählte. Der Junge sah am 24. März 1999 Leuchtkörper vom Himmel fallen.

"Vater, was ist das?" - "Ein Feuerwerk!" - "Ein Feuerwerk?" - "Ein großes Feuerwerk!"Der Sohn schluckte die Erklärung. Aber auch in den folgenden Nächten flammte der Himmel auf. Von einem solch langen Feuerwerksfest hatte der Sohn noch nie gehört. "Das ist kein Feuerwerk! Sie bombardieren uns?!"