Wie ein Musterschüler hatte er sich in den vergangenen Monaten verhalten.

Fragen beantwortete er stets diskret und präzise und ließ nichts über seine künftigen Karriereambitionen verlauten. Da holte den französischen Notenbankchef Jean-Claude Trichet die Vergangenheit ein. Seit der vergangenen Woche ermittelt die Pariser Justiz gegen den Währungshüter. Als Schatzmeister im Finanzministerium soll er Anfang der neunziger Jahre die Bilanzen der ehemaligen Skandalbank Crédit Lyonnais gefälscht und so die Märkte getäuscht haben. Egal ob sich die Vorwürfe bestätigen, Trichets Traum, Anfang 2002 an die Spitze der Europäischen Zentralbank vorzurücken, scheint geplatzt wie eine Seifenblase. Die Frage, wer wann Wim Duisenberg nachfolgen wird, steht unvermittelt wieder im Raum. Nach dem Streit um den Chefsessel beim Internationalen Währungsfonds bahnt sich nun ein neuer Konflikt um den wichtigsten finanzpolitischen Posten in Europa an.

Frankreich hatte sich bei Besetzung des Postens ins Spiel gebracht und darauf gedrängt, der jetzige Amtsinhaber Wim Duisenberg solle nach der Hälfte seiner Amtszeit 2002 ausscheiden, was den Holländer wenig begeisterte. Duisenberg will über das Ende seiner Amtszeit selbst entscheiden. Vielleicht kann er das nun: Frankreich hat neben Trichet, den die Financial Times als einen der angesehensten Notenbanker Europas bezeichnet, keinen anderen Kandidaten zu bieten.

Dem ohnehin geschwächten Euro tut die neue Diskussion jedenfalls nicht gut: Kaum war die Nachricht über die Ermittlungen an die Öffentlichkeit gedrungen, sackte Europas Währung erneut ein bisschen ab.