Mag sein, dass in Studenten-Rankings die TU Chemnitz blendend abschneidet

doch wenn man zum Beispiel die in einem der Rankings "getestete" Bibliothek der Anglistik in Chemnitz und die um ein Vielfaches umfangreichere, historisch gewachsene in Köln kennt, weiß man, was man von solchen Rankings zu halten hat, bei denen jene die Bestnote erhält und dieser eben noch Mittelmaß bescheinigt wird. Frau Otto schreibt selbst, dass 80 Prozent der Studenten aus Sachsen kommen und sehr bodenständig sind, also gar nicht wissen, wie es anderswo ausehen könnte. Mehr als "schnell studieren, um danach mit einem sicheren Job viel Geld zu verdienen", ist ihnen übrigens auch gar nicht möglich: Das Fächerspektrum und die personelle Ausstattung der Philosophischen Fakultät sind mittlerweile dergestalt, dass ein Student, der wirkliches Interesse an seinem Fach hat, kaum auf seine Kosten kommt, dass zum Beispiel eine Erwähnung der Chemnitzer Romanistik bei Fachkollegen nur noch einen Seufzer des Bedauerns hervorruft. Und die Betreuungsrelation zwischen Dozenten und Studenten ist ja nicht deswegen so gut, weil es so viele Dozenten gibt, sondern weil so wenige Studenten nach Chemnitz wollen.

Es ist fraglich, ob es die Vorzeigeuniversität überhaupt geben kann

die Diskussion über die deutsche Universität krankt ohnehin daran, dass sie alle Fachrichtungen über einen Kamm schert.

Dr. Rainer Schlösser Luckenwalde