Hoho, höhnt der Häuptling aus Hull, in den Staub mit den Feinden Albions!

- oder so ähnlich. Genau sind seine kehligen Verwünschungen beim Rasseln der Kettenhemden, beim Klirren der Waffen und Keuchen der beiden Kämpfenden nicht zu vernehmen. Unter den mächtigen Hieben einer Streitaxt ist Harald der Gewaltige in die Knie gegangen. Doch noch einmal stemmt sich der Däne unter Aufbietung seiner letzten Kräfte dem mächtigen Hünen aus England entgegen und überzieht ihn mit einer Serie von Schlägen. Da, ein Moment der Unaufmerksamkeit. Der englische Eindringling strauchelt, stürzt rücklings - schon rammt der wilde Wikinger das Schwert exakt zwischen Rippen und Oberarm hindurch in den Boden. Beifall von allen Seiten. Der Zweikampf ist entschieden. Der Platzhirsch hat sich behauptet.

Zum sechsten Mal trifft man sich am 6. und 7. Mai zum Wikingermarkt im VikingeCenter des jütländischen Ribe. Über 300 Teilnehmer strömen jedes Jahr in dem dänischen Nordseestädtchen zusammen. Mehr als 5000 Zuschauerinnen und Zuschauer gesellen sich regelmäßig dazu.

Mittelalter bestimmt das ganze Jahr über das weitläufige Gelände. Ein großer Häuptlingshof, errichtet aus 160 Eichenstämmen und 4996 handgehauenen Schindeln, empfängt die Besucher. Ein Stall, eine Scheune und eine Schmiede gruppieren sich drum herum. 1995 öffnete das Zentrum. Seitdem haben über 100 000 Besucher eine Reise in die Vergangenheit angetreten. Im hinteren Teil des Areals entsteht mit acht geräumigen Gebäuden nach und nach die Stadt Ribe, wie sie sich im Jahr 825 dargestellt haben könnte.

Ribe gilt als die älteste Stadt Dänemarks. Schon um 700 hatten die Wikinger den Ort gegründet. Bald entwickelte er sich zu einem Zentrum des Kaufens und Verkaufens zwischen Skandinavien und Westeuropa: Fisch und Vieh, Glas und Korn, Tran und Seide wechselten hier die Besitzer. Die Wikinger aber wurden drei Jahrhunderte lang zum Schrecken Europas. Die ungebärdigen Seefahrer überfielen Flandern und Friesland, plünderten Paris, Hamburg und Lissabon und drangen mit ihren Schiffen bis an die Küste Neufundlands vor.

Im VikingeCenter geht es in der Regel jedoch friedlich zu. Da zeigt etwa ein graubärtiger Zimmermann drei Jugendlichen, wie sie mit einer Queraxt Holzbalken richtig kerben und dann mit Holzdübeln verbinden. Das Zentrum ist zugleich eine Schule: 32 Jugendliche zwischen 16 und 25 Jahren ohne abgeschlossene Berufsausbildung lernen in vier Werkstätten alte Handwerkstechniken wie Schmieden, Holz bearbeiten, Landwirtschaft ohne Traktor und Mähdrescher, dafür mit Pferden und Ochsen. Im Sommer schlüpfen sie in historische Tracht und animieren die Besucher, selbst zu Hammer, Nadel und Axt zu greifen. Klar, dass es dauert, bis unter diesen Umständen das Gerüst eines Hauses steht. Das VikingeCenter ist ein Werk im Prozess des fortgesetzten Entstehens.

Jedes Jahr am ersten Maiwochenende aber wird farben- und sinnenfroh gefeiert: Wikinger aus England, Norwegen, Schweden, Holland, Deutschland und natürlich Dänemark haben auf dem Marktplatz Zelte aufgebaut und Stände aufgeschlagen.