Diese Blamage müssen die Unternehmen sich und dem Land ersparen. Am Wochenende war zu lesen, die Stiftungsinitiative der deutschen Wirtschaft denke daran, ihren Fonds für die Entschädigung von NS-Zwangsarbeitern mangels Masse aufzulösen. Fünf Milliarden Mark muss sie aufbringen, nicht einmal drei Milliarden sind bis heute zusammengekommen. Aber das Scheitern erklären und das eingesammelte Geld zurückzahlen? Das wäre eine beispiellose Pleite.

Viel Zeit bleibt nicht, um sie abzuwenden. Im Juni soll der Bundestag das Gesetz verabschieden, mit dem die Errichtung der Stiftung "Erinnerung, Verantwortung und Zukunft" beschlossen wird; bis Mitte Juli müsste es den Bundesrat passieren, sollen die ersten Beträge noch in diesem Jahr an die Opfer ausgezahlt werden. Die fünf Milliarden Mark aus der Staatskasse sind gesichert, aber die Unternehmen verweigern sich.

Aber es geht nicht allein um die moralische Verpflichtung. Viele Manager haben offensichtlich nicht kapiert, dass die Entschädigungsaktion in ihrem ureigenen Interesse liegt. Scheitert sie, wird die Welt mit dem Finger auf Deutschland zeigen, es wird Boykottaufrufe hageln, und die Klagen gegen deutsche Unternehmen vor amerikanischen Gerichten werden sich häufen. Dieser Schaden käme letztlich teurer als der Beitrag zum Fonds.

Klarheit ist jetzt dringend nötig. Die Regierung in Washington muss sicherstellen, dass es mit der Etablierung des Fonds keine Klagen auf Schadenersatz mehr geben wird und schon gar keine neue Debatte über irgendwelche Reparationen. Die deutsche Wirtschaft muss die finanziellen Verpflichtungen erfüllen, die ihre Vertreter eingegangen sind. Wenn es um die Durchsetzung ihrer Interessen geht, sind die Repräsentanten der Wirtschaft vom Schlage eines Hans-Olaf Henkel und Hans Peter Stihl nicht zimperlich. Es ist höchste Zeit für klare Worte an ihre Klientel. Man muss ja nicht gleich die Säumigen durch Veröffentlichung ihrer Namen an den Pranger stellen. Dass man dies bei der Stiftung ernsthaft erwägt, zeigt, wie ernst die Lage ist.