Ein Misanthrop. Molière hat ihn nicht besser erfunden. Überall witterte er Verrat, am Deutschtum, an deutscher Kunst und Musik, vorzüglich an der seinen. Zu den Übeltätern gehörten wahlweise der völkerfeindliche Internationalismus, die Alljuden - die er sauber von seinen jüdischen Freunden unterschied -, die international-atonale Strömung oder die Jazz-Foxtrott-Flut, die der Amerikanismus anspülte. Der Komponist Hans Pfitzner war schwierig - freundlich gesprochen. Zielsicher vergraulte er Intendanten, Regisseure, Dirigenten, Kritiker, all jene also, die er für seine Musik so dringend brauchte. Selbst wohlwollende Freunde und Verehrer streckten die Waffen vor dem Querkopf, unter ihnen schließlich auch Bruno Walter, der "in seinem Wesen die seltsamste Mischung von wahrer Größe und Intoleranz" erblickte. Dabei ging es auch anders, gesellig, charmant - Alma Mahler war nicht die einzige Frau, die der äußerlich wenig ansehnliche Pfitzner schwer beeindruckte, vielleicht weil er ein Überzeugungstäter war.

Mit seinen polemischen Schriften zerschlug er Berge von Porzellan. Bis heute liegen sie der Rezeption seiner Musik im Weg, ebenso wie die widersprüchliche Haltung in der Weimarer Republik und im "Dritten Reich". Doch der Musikbetrieb hat andere Komponisten, die den Nazis williger dienten, weniger geschnitten. Es liegt wohl schon an der Musik selbst, dass sie kaum gespielt wird - das Hauptwerk, die Oper Palestrina, einmal ausgenommen. Pfitzners Kammermusik kennt kein Mensch, Stücke wie die Violinsonate op. 27 oder das Klaviertrio op. 8, die der Geiger Benjamin Schmid, der Cellist Clemens Hagen und Claudius Tanski (Klavier) jetzt neu eingespielt haben (Dabringhaus und Grimm 312 0934). Die drei begreifen, worauf es ankommt: Mit schlanker Tongebung und zügigem musikalischem Fluss suchen sie nicht den "letzten Romantiker", als der Pfitzner galt, ohne es zu sein, auch wenn er vehement eine letztlich romantische Inspirationsästhetik vertrat. Das Trio, formal zerrissen, zwischen strömender Melodik und wütenden Zusammenbrüchen changierend, lässt ahnen, weshalb Pfitzner nach einer Aufführung in Berlin "fürchterlich vermöbelt", ja als "Führer der Sozialdemokratie in der Musik" beschimpft wurde. Und die Violinsonate spielen Tanski und Schmid, eines der echten Geigentalente der jüngeren Generation, mit hinreißendem Elan. Bruno Walter hörte bei Pfitzner Dinge, "die zum Schönsten gehören, was je geschrieben worden ist", vielleicht gerade, weil vieles seltsam spröde klingt und sich den sensualistischen Verführungen verweigert, die Richard Strauss, der erfolgreiche Zeitgenosse, so perfekt beherrschte.