Die französische Regierung beeilte sich diesmal ganz besonders. Schon acht Jahre im voraus - so früh wie nie zuvor - kündigte sie 1892 die nächste Weltausstellung in Paris für das Jahr 1900 an. Zerschlagen waren damit die Hoffnungen im Kaiserreich. Hier hatten zu Beginn der 1890er Jahre der Deutsche Handelstag, der Zentralverband deutscher Industrieller und die Reichsleitung gemeinsam darüber nachgedacht, erstmals eine Weltausstellung auf heimischem Boden auszurichten. Der ehrgeizig aufstrebenden Weltmacht blieb nun bloß die Internationale Gewerbeausstellung; 1896 fand sie schließlich statt, in Berlin, eine Weltausstellung im Westentaschenformat.

In Paris machte sich die akademische und technische Elite Frankreichs derweil an die Arbeit. Bilanziert werden sollten zur Jahrhundertwende die zivilisatorischen Leistungen des vorangegangenen Jahrhunderts. Unter der Ägide des französischen Handelsministeriums versammelte der Ingenieur Alfred Picard, Generalkommissar der Ausstellung, eine erfahrene Mannschaft aus Hochschulprofessoren und freischaffenden Ingenieuren. Fast alle hatten bei den vorangegangenen Ausstellungen mitgearbeitet. Sie konzipierten die Themen, bereiteten die Kataloge und die zahlreichen internationalen Kongresse vor und organisierten die Zusammenarbeit mit den Generalkommissionen der teilnehmenden Staaten.

Im Gegensatz zu 1889, als Frankreich das centenaire seiner großen Revolution gefeiert hatte und deswegen von den meisten europäischen, nach wie vor monarchisch regierten Staaten offiziell boykottiert worden war, folgten jetzt über 40 Nationen der Einladung nach Paris. Erstmals sagte auch das kaiserliche Deutschland seine Teilnahme an der Riesenschau in der Hauptstadt des ehemaligen Kriegsgegners zu.

Opposition gegen die Ausstellung kam diesmal aus dem Gastgeberland selbst, und zwar aus der Provinz. Die Gegner des notorischen französischen Zentralismus protestierten: Im Falle des Erfolges würde allein der Wasserkopf Paris den Nutzen haben, der Rest des Landes dagegen unter der Abwanderung der Arbeitskräfte in die Hauptstadt leiden und ansonsten leer ausgehen.

Schon vorab erklärten die einen die Ausstellung zum geschäftlichen Erfolg, die anderen sahen die Pleite voraus. Und auch zum Abschluss gab es zwei Bilanzen: Stellte man die Gesamteinnahmen aus Konzessionen, Eintrittsgeldern und Verkaufsprovisionen gegen die Gesamtkosten, dann blieb ein Defizit. Zählte man jedoch - und dies taten die Befürworter gerne - die Einnahmen hinzu, welche Hunderttausende Besucher der französischen Eisenbahn, dem Zoll, den touristischen Attraktionen und vor allem dem Gewerbe jedweder Art in Paris, ja in ganz Frankreich beschert hatten, so galt die Jubiläumsschau als ein Riesengeschäft.

Dabei ist Paris ohnehin wie keine andere Stadt von Weltausstellungen geprägt worden. Zu den bleibenden Attraktionen zählten und zählen zum Teil heute noch vor allem der Trocadéro-Palast (Weltausstellung 1878) und der Eiffelturm von 1889. 1900 baute man an die Stelle des zur ersten Ausstellung von 1855 errichteten Palais de l'Industrie in der Nähe der Champs-Élysées für die große Kunstschau das Petit und das gewaltige Grand Palais.

Als 1898 mit den baulichen Vorbereitungen begonnen wurde, wollte man auf die bewährten Ausstellungsflächen beidseitig der Seine zwischen der Place de la Concorde und dem Trocadéro sowie der Esplanade des Invalides und dem Marsfeld (mit dem Eiffelturm) zurückgreifen. Angesichts der überbordenden Fülle der nach Paris geschickten Ausstellungsobjekte waren die Organisatoren aber gezwungen, nicht nur die innerstädtischen Gebiete bis hin zu den Champs-Élysées und dem Quai d'Orsay zu erweitern; in Vincennes, im Südosten der Stadt, entstand ein Annexgelände von einer Million Quadratmetern, das die Gesamtfläche der Ausstellung verdoppelte. Um den Besuchern trotzdem ein möglichst geschlossenes Terrain zu präsentieren und dabei den gewaltigen Verkehr zu bändigen, wurden etliche Fußgängerbrücken über die Seine geschlagen und, da war die Ausstellung allerdings schon lange im Gange, Mitte Juli auch die erste, 10,6 Kilometer lange Strecke der Metro (nach Vincennes) eingeweiht.