Der Himmel ist zum Anklicken nah. Sterne leuchten in der schwarzen Nacht. Elf kleine, vier große. Klick auf den kleinen Stern rechts unten auf dem Bildschirm, noch ein Klick: Der Himmel von www.argonauten.de weicht einem Raum, von dem Türen abgehen, Blechlampen baumeln von der Decke. Jemand läuft mit einer Kaffeetasse durch das Bild - aufgenommen von der Webcam. Sehr spannend, sehr live. World's eye is watching you, aber was macht das schon? Wer in einer Multimediaagentur arbeitet, dem muss das egal sein.

Alle zehn Sekunden schickt die Webcam ein neues Bild ins Netz, direkt aus den Tiefen der Münchner Medienagentur "die Argonauten". Seit vier Jahren gibt es diese Agentur für interaktive Kommunikation und Markendialog, und in der Multimediazeitrechnung ist das eine Ewigkeit. Einst waren es fünf Mitarbeiter, jetzt sind es 150 in München, Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg und Zürich. Es gibt zwei Tochterfirmen, und die Agentur sucht weiter nach Leuten. Im vergangenen Jahr setzten die Argonauten 22,5 Millionen Mark um, für 2000 werden 30 Millionen erwartet. Auf der Ranking-Liste des deutschen Multimediaverbandes (dmmv) liegen die Argonauten, gemessen am Umsatz, auf Platz acht.

So auch die Argonauten. Wer als Kunde eintritt in die Münchner Agentur, durch die Bullaugentüren, ganz real, will Internet-Auftritte, Werbebanner im Netz, on line und off line Kampagnen zur Kundenbindung.

Vom Empfang aus taucht man tiefer ein in die Strukturen der Agentur, und es ist fast wie im Internet: Von der Hompage klickt man sich runter auf die Subsites.

Die Räume der Berater und Projektmanager. Dort sitzt Iris Wagner. Sie ist die Kontaktstelle zum Kunden, sie bespricht mit ihm seine Ideen, rät zu oder ab, macht eigene Vorschläge. Außerdem koordiniert sie Projekte - "budget, timelines und Abläufe" - wie toojoo.de, die ECommerce-Idee von Yahoo und Quelle, oder den Internet-Auftritt von Burger King. Ihr Lehramtsstudium Englisch und Französisch hat die 24-Jährige abgebrochen, ihr Wissen hat sie sich durch training on the job angeeignet. Berufsbegleitend hat sie an der Bayerischen Akademie für Werbung und Marketing eine Ausbildung zur Kommunikationswirtin absolviert. Einen Schwerpunkt Multimedia gibt es dort nicht. Einen Aufbaustudiengang zum "Projektmanager digitale Wirtschaft" bietet ab Herbst 2000 zum Beispiel die MediaCity.Academy an, eine neu gegründete private Hochschule in Hamburg.

Weiter durch die unendlichen Flure der Agentur, zur nächsten Subsite gewissermaßen: zu den Kreativen. Auf dem Weg dorthin, kurz ein Blick ins usability_lab, wo die neuen Websites getestet werden; klick, ein Blick zu argo_mobile, wo sie daran tüfteln, Internet-Seiten für das Wap-Handy aufzubereiten; klick, ein Blick in die Küche, wo die Massageliege zusammengeklappt in der Ecke steht. Montags kommt die Masseurin, wer will, darf zwanzig Minuten auf die Couch in der Kaffeeküche, die Hälfte der Kosten trägt die Firma. Bereich verlassen, klick, nächste Station, endlich, der Keller: Hier sitzen die Kreativen.

Gisela Schachtner malt: ein Navigationskonzept. Sieht aus wie ein Stammbaum. Sie spricht von Homepages, Subsites, Contentsites. Sie macht das Konzept für einen Internet-Auftritt, entscheidet, was auf der ersten Seite stehen muss, wie man sich weiter nach unten klickt, welche Seiten wie miteinander verlinkt werden. Dann beginnt sie zu texten. Auch das ist ihr Job. Nach und nach tippt sich die 28-Jährige in die tieferen Schichten vor, und vielleicht ist es kein Zufall, dass sie ursprünglich Archäologin werden wollte, bevor sie 1994 ihr Studium abbrach und sich von der Praktikantin zum Creative Director hocharbeitete. "Damals", sagt sie, "wusste ich gerade mal wie man Internet buchstabiert".