Rufen die Kunden jetzt an und sagen, mach uns mal 'ne kleine Melodie. Und dann sagt Attila Ciftçi, nee, mach ich nicht. Weil alle wollen sie jetzt kleine Melodien, seit die Telekom ihr da-da-da-di-da hat, und er hat keine Lust, Fünftonmelodien zu erfinden, die in dieser Fünftonmelodienmode untergehen.

Ciftçi ist ein unrasierter, lässig schwarz gekleideter Typ, nervös, witzig, 32. Gemeinsam mit zwei angestellten Jungkomponisten betreibt er die Firma TV Musik in Köln. Deren Geräuscheffekte, Jingles und Fanfaren kennt jeder, der gelegentlich fernsieht. RTL aktuell, Explosiv, Vera am Mittag, Gute Zeiten Schlechte Zeiten, Blitz - für all diese Sendungen kommt die Begleitmusik aus der Moltkestraße 82.

"Wir fangen morgens zwischen zehn und elf an", sagt Ciftçi, und - als sei das zu martialisch - fügt er ein "frühestens" hinzu. Wobei es auch Tage gebe, an denen sich seine Mitarbeiter schon um eins wieder verabschiedeten, wenn sie so recht keine Lust hätten. Dafür schafften sie bei anderer Gelegenheit 16 Stunden am Stück.

Die Fernsehleute, sagt er, rufen ja auch nicht Wochen vorher an! Manchmal fällt denen heute ein, dass sie übermorgen etwas brauchen, und dann müssten eben alle ran, "so richtig mit ohne Schlaf".

Geschwindigkeit sieht er als seine Stärke. Für romantische Stimmungen Klavier, für Nachrichtensendungen Tickergeräusche (di-di-di-dit), sehr kreativ sei das nicht. "Wäre ich ein Künstler, würde ich nicht fürs Fernsehen arbeiten."

Komponieren heißt bei ihm: im Keller sitzen vor den digitalen Soundmaschinen und über eine Klaviertastatur und viele Drehknöpfe die richtigen Rhythmen, Farben, Instrumente eingeben. Alle Klänge sind gespeichert. Kuhglocke, snare drum , symphonisches Streicherpizzicato. Tausende von Sounds. Ciftçi wählt aus, was er braucht, und setzt es im Computer nach und nach zusammen. Waagerechte Balken auf einem Monitor dokumentieren das Arrangement. Die Musik ließe sich auch in Vierteln und Achteln auf dem Schirm darstellen, aber Noten lesen kann Ciftçi nicht.

Bass, Schlagzeug, Streicher ... über die Tastatur spielt er alle Instrumente selbst. Bis auf jene, die sich elektronisch noch nicht perfekt nachbilden lassen; für Gitarren- oder Trompetenpassagen lässt er freiberufliche Musiker ins Studio kommen.