diese Schwäche macht ihn überlegen, wenngleich nicht immer stark. Es muss bedrücken, dass im heutigen Deutschland viele SED-Opfer schlechter leben als jene, die vom Regime profitierten. Es lohnt nicht und kann sich nicht lohnen, Opfer gewesen zu sein. Zerstörtes Leben ist so wenig nachzuholen, wie sich das Mitgefühl der Öffentlichkeit herbeikommandieren lässt. Die Neugier der Medien und ihrer Konsumenten hat meistens die Täter besucht.

Ich habe, nun muss es heraus, Erich Mielke jahrelang regelmäßig gesehen.

Jeden zweiten Samstagnachmittag verbrachten wir gemeinsam im grenznahen Raum.

An der Eberswalder Straße, wo bis zum 9. November 1989 der Imperialismus begann, danach nur noch der Wedding, liegt, leicht erhöht, der Berliner Jahnsportpark. Hier erfreute sich Mielke seines Riesenspielzeugs: des DDR-Dauerfußballmeisters BFC Dynamo. Da thronte der Alte auf seinem Golan und schaute über die Mauer und die tief gestaffelten Grenzanlagen weit hinein ins Feindesland. Davor, zu seinen Füßen, lehrten die weinroten Dynamos das Kickervolk aus Karl-Marx-Stadt, Zwickau oder Halle Mielkes Jubel - Sachsenring Zwickau einmal gar mit 10 : 0. Wie der Hallenser sagt: Ich schlag dich, bisde lachst!

1979 setzte sich der BFC-Spieler Lutz Eigendorf nach Westen ab. Mit welchem Stasi-Aufwand Mielke diese persönliche Kränkung zu tilgen suchte, dokumentiert Heribert Schwans kürzlich erschienenes Buch Tod dem Verräter!

Dass Eigendorfs Unfalltod 1983 Mielkes Werk war, ist bis heute weder bewiesen noch widerlegt. Wirklich zugetragen hat sich aber jene Episode, die uns im Stasi-Chef einen Glasnost-Pionier erkennen lässt: Einst saß Mielke beim Fußball hinter Karoly Soos, dem Trainer der DDR-Nationalmannschaft. Soos, Ungar, ließ sich von den SED-Gewaltigen wenig sagen. Mielke echauffierte sich wie üblich über Schiedsrichter und Spielverlauf, da drehte sich Soos um und gebot: Sie jetzt ruhig! Sie nix Ahnung von Fußball! - Mielke, baff: Man wird in diesem Land doch wohl noch seine Meinung sagen dürfen!

Wir geloben, wachsam zu prüfen, ob das neue Deutschland Erich Mielkes Wünschen entspricht.