Die hoch entwickelten Sozialstaaten stehen heute überall vor großen Problemen, die mit der Internationalisierung der Wirtschaft kaum etwas zu tun haben - man denke nur an die Folgen der Überalterung für die Renten- und Gesundheitssysteme. Wenn die Globalisierung dennoch und mit Recht als kritische Herausforderung diskutiert wird, dann deshalb, weil diese Sozialstaaten ihre heutige Gestalt nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelt haben, als die nationale Politik auf die internationale Ökonomie kaum Rücksicht nehmen musste.

Damals waren die Wechselkurse durch internationale Vereinbarungen fixiert und konnten nur auf demselben Wege verändert werden. Der grenzüberschreitende Kapitalverkehr wurde wirksam kontrolliert, und die nationalen Kapitalmärkte und Finanzdienstleistungen waren strikt reguliert. Weite Bereiche der Wirtschaft - die Landwirtschaft, die Energieversorgung, der Straßengüterverkehr, die Bahn, die Post, das Telefon, das Fernsehen und andere Leistungen der "Daseinsvorsorge" - waren als staatliche Monopole oder regulierte Kartelle sogar dem innerstaatlichen Wettbewerb entzogen. Und selbst auf den Märkten für Industriegüter, die dem internationalen Wettbewerb im Prinzip offen standen, wurden die nationalen Produzenten notfalls durch Zölle, Einfuhrkontingente, Exportsubventionen und eine Vielzahl nicht tarifärer Handelshindernisse vor ausländischer Konkurrenz geschützt.

Da aber die nationale Politik von ihren Wählern auch weiterhin für Beschäftigung und Einkommen verantwortlich gemacht wird und da sie auf das nationale Steueraufkommen angewiesen bleibt, muss sie sich wohl oder übel auf eine Standortkonkurrenz mit anderen Staaten einlassen. Dabei geht es darum, die Attraktivität des eigenen Landes für Produzenten, Investoren und Steuerzahler gegenüber den konkurrierenden Standorten zu verteidigen oder zu verbessern.

In der politischen Diskussion über die Auswirkungen der Globalisierung wird dabei häufig ein Gegensatz zwischen internationaler Wettbewerbsfähigkeit und Sozialpolitik unterstellt. Unsere Untersuchung hat jedoch gezeigt, dass dieser Gegensatz auch unter den heutigen Bedingungen kein prinzipieller ist. Es finden sich durchaus Länder - Dänemark, beispielsweise, die Niederlande, die Schweiz oder Australien -, die auch unter den Bedingungen der Globalisierung ihre beschäftigungs- und sozialpolitischen Errungenschaften verteidigt oder sogar verbessert haben.

Allerdings wird auch deutlich, dass die strukturellen Unterschiede zwischen den Sozialstaaten unter den Bedingungen der Globalisierung an Bedeutung gewonnen haben.

Und diese Unterschiede sind erheblich. Tatsächlich gibt es unter den von uns untersuchten zwölf Ländern nicht zwei, deren sozialstaatliche Institutionen und Programme in allen wichtigen Aspekten übereinstimmen. In der Literatur werden dennoch drei "Familien" von Sozialstaaten unterschieden, deren Entwicklung in der Nachkriegszeit von den gesellschaftspolitischen Leitbildern liberaler, christdemokratischer oder sozialdemokratischer Parteien geprägt war.

In allen drei Gruppen gewährleistet der Staat - neben seinen Funktionen im Bildungs- und Gesundheitswesen - auch eine soziale Mindestsicherung für Personen ohne andere Einkommensquellen. In den angelsächsischen oder "liberalen" Sozialstaaten gilt dies auch bei Arbeitslosigkeit und im Alter, wo sich die staatlich organisierte Vorsorge ebenfalls nur auf eine niedrige Grundsicherung beschränkt. Die Absicherung mittlerer und höherer Einkommen hingegen wird dort im Prinzip der privaten Vorsorge überlassen.