Über den Tod des russischen Botschafters während des Wiener Kongresses sinnierend, soll Talleyrand zu Metternich gesagt haben: "Ich frage mich, was er damit bezweckt haben könnte." Das ist das Wesen aller Diplomatie: die zweideutige Geste, das subtile Signal. Deshalb beschäftigt uns auch jene Kiste Cohibas aus Castros Hand, die unser Kanzler an Bill Clinton weitergereicht hat. Wollte Schröder sich einen Jux machen, in männerfreundschaftlichem Gedenken an Monica L.? Wollte er Clinton zur dreifach kriminellen Tat verleiten, die darin bestünde, ein Geschenk im Wert von mehr als 50 Dollar anzunehmen, diese Zigarren embargowidrig an den amerikanischen Zöllnern vorbeizuschmuggeln und sie daheim auch noch vor der Nase der strengen Hillary zu rauchen? Oder wollte der feinsinnige Gerd gar ein zartes Band zwischen Kuba und den USA knüpfen und so den Lohn des "ehrlichen Maklers" (siehe Berlin, Kongress von 1878) einheimsen? Uns fällt dazu nur der berühmte Zigarrenraucher S. Freud ein, der von einer Zuhörerin neckisch befragt wurde, warum gerade er, der doch so viel über die Symbolik länglicher Objekte doziere, den puros so zugeneigt sei. Seine Antwort wärmt noch heute das Herz eines jeden aficionado: "Manchmal, gnädiges Fräulein, ist eine Zigarre nur eine Zigarre."